Buchbesprechung: Michael Freeman – 50 Wege zur kreativen Fotografie

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Michael Freeman war bisher nicht so auf meinem Schirm. Ich habe ihn für einen der vielen Fotografie-Autoren gehalten, die in gepflegter Normalität über Fotografie schreiben, aber mir nichts wirklich Gewinnbringendes zu bieten haben. Auf das hier besprochene Werk hat mich mein Kollege Bertram Solcher per SMS hingewiesen: er schrieb mir „….sehr spannendes Buch – heute auf den Tisch bekommen!“. Da war meine Neugier geweckt, und ich habe bei Amazon mal einen „Blick ins Buch“ geworfen . Was ich da gesehen habe, hat mich dann zu einem Spontankauf verführt.

Was macht dieses Buch interessant?

Michael Freeman stellt in 50 Kapitel Prinzipien, Wege, Ideen, Konstruktionen oder Thesen vor, die geeignet sind, Fotografien spannend, interessant und das Gegenteil von beliebig machen. Beispiele: Im Kapitel „Erfahrungen misstrauen“ geht es darum, als Fotograf eben nicht immer darauf zu setzen, was man schon kann, wo man sich sicher fühlt und wo man auf seine Erfahrungen zurückgreifen kann. Oder das Kapitel „Ein Schritt weiter“, in dem der Autor den Prozess beschreibt, wie man von einem soliden Portrait zu einem außergewöhnlichen Portrait gelangen kann, wenn man den besagten Schritt weiter geht. Noch ein Beispiel: Im Kapitel „Seele & Meinung“ geht es um die persönlichen Botschaften des Fotografen und wie sehr es ein Werk prägen kann, wenn der Fotograf mit Intention arbeitet.

Alle 50 Kapitel sind mit Fotografien illustriert, zum Teil mit Fotos von Michael Freeman selbst, zum Teil mit Bildern berühmter Fotografen wie z.B. Ernst Haas, Paul Strand, Richard Avedon, Frans Lanting u.a.m. Zitate von Fotografen und kurze Skizzen zu Persönlichkeiten oder Sujets der Fotografie runden die Kapitel jeweils ab.

Die Lektüre wird so auch zu einem vergnüglichen Blättern in (Bilder)Geschichten. Man begegnet Ikonen der Fotografie, aber auch ganz unbekannten Bildern, und in zumindest jedem Kapitel steckt die Frage: ist das ein Ansatz auch für mich? Was kann ich daraus für mich und meine fotografische Arbeit ableiten?

Die Struktur des Buches macht das Werk zudem perfekt als „Coffee Table Book“ oder auch als Nachttischlektüre: Jeder kreative Impuls wird auf ein bis drei Doppelseiten abgehandelt: schöne kurze Einheiten mit Lesegenuss und Blickfreude.

Ich denke, dass das Buch einen dauerhaften Platz in meiner Fotobibliothek bekommen wird und dass ich auch später immer mal wieder hineinschauen werde, das Buch willkürlich aufschlagen und eines der 50 Kapitel wieder ins Auge fassen werde.

Michael Freeman: 50 Wege zur kreativen Fotografie, erschienen im mitp/Edition ProfiFoto Verlag, 224 Seiten, broschiert, 29,90 Euro.

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Glasklar gesagt: Ich setze solche Links ausschließlich auf Dinge, die ich selbst ausgiebig erprobt habe und in der Praxis erfolgreich einsetze – und die ich daher von ganzem Herzen empfehlen kann. Also: viel Freude damit! 🙂

Lesenswert: „Handbuch des Fotojournalismus“

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Es ist ziemlich lange her, dass mich ein Lehrbuch der Fotografie begeistert hat. Das 2015 von Lars Bauernschmitt und Michael Ebert veröffentlichte „Handbuch des Fotojournalismus“ gehört dazu. Das hat gleich mehrere Gründe:

Das Buch spannt einen weiten Bogen und berücksichtigt historische, technische, handwerkliche, rechtliche, marktbezogene und viele andere relevante Aspekte, die den Beruf des Fotojournalisten ausmachen. Der ausführliche historische Rückblick erweckt noch einmal die große Zeit des Bildjournalismus zum Leben und lässt auch den zeitgenössischen Leser ahnen, wie es wohl gewesen war, als die Fotografie das führende bildliche Medium war.

Doch überwiegend widmet sich das Buch der Gegenwart und der Zukunft fotojournalistischer Arbeit. Das Buch stellt die klassischen Sujets vor, streift aber auch die wirtschaftlich interessanten Randbereiche wie Corporate Publishing oder PR-, Natur- und Wissenschafts-Fotografie. Das Handbuch skizziert technische Entwicklungen der Vergangenheit wie auch die möglichen Gegebenheiten der  Zukunft Die Autoren lassen Praktiker in Interviews zu Wort kommen und geben viele handfeste Informationen, wie der fotojournalistische Markt heute funktioniert und wie seine möglichen Aussichten sind. Das Kapitel „Gedanken zur Zukunft des Fotojournalismus“ betont die Bedeutung der Fotografie auch für die Medienwelten der Zukunft, zeichnet gleichzeitig aber auch ein berechtigterweise skeptisches Bild für die Verdienstaussichten und -modelle der Fotografen.

Witzige Anmerkung am Rande: Das Stilleben auf dem Einband zeigt auch zwei Kameras: eine von Canon, eine von Fujifilm…. Find ich nett! 🙂

Das Buch ist wirklich ein Handbuch: historisch fundiert, mit Praxisanspruch geschrieben, thematisch einen weiten Bogen spannend und doch von einem lebendigen Enthusiasmus für das Erzählen von Geschichten mit Bildern erfüllt. Wer sich heute ernsthaft für den Beruf des Fotojournalismus interessiert, stellt sich mit dem Buch einen großen Wissenspool ins Regal (oder besser auf den Nachttisch) und erhält einen hohen Gegenwert für die 39,90 Euro, die das Buch kostet.

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Neu aufgelegt! Martina Mettner: Erfolg als Fotograf

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Martina Mettner, die bekannte Fotoexpertin und -Beraterin, hat mit Ihrem Buch „Erfolg als Fotograf“ ein Werk vorgelegt, dass auf den Schreibtisch eines jeden Fotografen gehört. Das Buch erschien jetzt in neuer Auflage und ist an Berufsfotografen gerichtet: solche, die es bereits sind, solche, die auf dem Weg der Ausbildung sind oder solche, die als Newcomer den Markt betreten und sich nun fragen, wie sie diese Herausforderung meistern sollen.

Um keine falschen Erwartungen zu wecken: es geht in dem aktuellen Werk nicht um fotografische Fragen oder fotografische Fähigkeiten oder wie man sie entwickelt. So schreibt Martina Mettner im Vorwort: „Dass Sie etwas können, davon gehe ich aus. Der Fokus liegt darauf, Ihre Leistung ins rechte Licht zu rücken.“ Und weiter: „Viele Fotografinnen und Fotografen sind zwar seit Jahren digital unterwegs, aber gedanklich noch gar nicht im 21. Jahrhundert angekommen. Es wird höchste Zeit, aufzuwachen und das eigene berufliche Leben in die Hand zu nehmen.“ Das sind starke Worte, die hohe Erwartungen wecken. Selbstbewusst legt die Autorin nach: „Wer einmal die Lektürezeit in sein eigenes Fortkommen investiert und wenigstens einige der genannten Aspekte umsetzt, erwirbt damit eine solide zukunftsfähige Basis.“

Mettners Buch ist nach einigen einleitenden Bemerkungen zur Situation der Fotografie im beginnenden 21. Jahrhundert in acht Kapitel gegliedert, die aufeinander aufbauen und viele drängende Fragen von Profis oder solchen, die es werden wollen, behandeln. Dabei beschränkt sich das Buch nicht auf allgemeines Marketing-BlaBla, sondern lässt an Konkretheit, Direktheit und Praxisorientierheit nichts zu wünschen übrig. Berufsfotografen erhalten in den acht „P“s von Martina Mettner gebündeltes Wissen, das in dieser Form für Fotografen bisher nirgendwo aufgeschrieben wurde:

Das Kapitel „Planung“ skizziert die verschiedenen Wege in die Berufsfotografie und gibt Hinweise zum Start in die Selbständigkeit. „Perspektiven“ schildert den Bildermarkt und die Situation des heute agierenden Berufsfotografen. In „Profil“ geht es um die Persönlichkeit und die „Marke“, die ein Fotograf darstellt oder bilden sollte. „Präsenz“ schildert die Möglichkeiten, die das Internet für die Selbstdarstellung des Fotografen bietet, während „Prägnanz“ sich den herkömmlichen Marketingmaterialien und Akquiseinstrumenten zuwendet. Im Kapitel „Promotion“ schildert Martina Mettner die verschiedenen Möglichkeiten, sich als Fotograf ins Gespräch zu bringen, während das Kapitel „Postskript“ auch die ‚dunkleren’ Seiten des Berufslebens beleuchtet und zum Beispiel thematisiert, wie man mit Absagen umgehen kann oder welche Jobs man besser ablehnen sollte. Ein Anhang von Rechtsanwalt Tim Hoesmann („Paragrafen“) rundet das Werk ab und fasst die wichtigsten rechtlichen Hinweise für Fotografen zusammen.

Auf gut 200 Seiten hat Martina Mettner hochkonzentriert, komprimiert und pointiert die Essentials für ein erfolgreiches Berufsleben zusammengetragen. Jeder Zeile merkt man an, dass die hier veröffentlichten Erkenntnisse nicht am grünen Tisch formuliert wurden, sondern einen starken Bezug zur Praxis haben. Aus ihrer jahrelangen Beratertätigkeit kennt die Autorin die Sorgen und Nöte der Fotografen aus erster Hand – und gibt in ihrem Buch Analysen, Antworten und Arbeitsanweisungen.

Martina Mettners Buch ist ohne Vorbild, es gibt – mindestens im deutschsprachigen Raum – nichts Vergleichbares. Das Buch analysiert klug und präzise und mit der Mettner-eigenen Direktheit und Unverblümtheit die gegebenen Marktverhältnisse. Es zeigt, welche Märkte schwierig sind, es zeigt aber auch, wie man die heute gängigen Werkzeugen einsetzt, um als Berufsfotograf erfolgreich zu sein. Dieses Buch gehört nicht ins Regal, es gehört auf den Schreibtisch eines jeden Fotografierenden, der ernsthaft daran arbeitet, als Berufsfotograf wahrgenommen zu werden und Erfolg zu haben. Es sollte als Arbeitsbuch begriffen werden – mit dem Anspruch, möglichst jede Woche einen der Hinweise von Martina Mettner für die eigene Situation zu adaptieren und in die Tat umzusetzen.

Ich bin davon überzeugt, dass eine konsequente Umsetzung des hier Niedergeschriebenen den Fotografen vielfältig nützen und die Marktsituation für uns Fotografen insgesamt verbessern würde. Mettner schreibt: „Wenn alle, die dieses Buch lesen, das Gelernte umsetzen, würde die Konkurrenz nicht größer, sondern eher kleiner werden! Es würde nämlich nicht mehr um jeden Job konkurriert, sondern jeder würde sich mit seinen besonderen Fähigkeiten auf diese fokussieren und damit für sich unter Umständen sogar ganz neue Kundenkreise erschließen.“

Fazit: kaufen, lesen und handeln!

Christian Ahrens

Dr. Martina Mettner: Erfolg als Fotograf – Wie man sein Können optimal präsentiert. Erschienen in der inzwischen 3. aktualisierten Auflage im fotofeinkost Verlag, 216 Seiten, gebundene Ausgabe, 39,80 Euro.

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Gert Wagner: Beruf Fotograf

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Leider ist dieses Buch nicht mehr im Handel, sondern nur noch antiquarisch erhältlich – man findet aber meist ein Exemplar bei Amazon bei den gebrauchten Büchern.

Gert Wagners Buch gehört meiner Ansicht nach ins Regal – oder besser noch auf den Nachttisch – jedes Fotografen, egal ob Profi oder Amateuer. Für mich persönlich war das Buch ein wichtiger Wegweiser und hat meinen Weg in die Industrie- und Technologie-Fotografie maßgeblich bestimmt. Jahre später, nachdem ich das Buch mehr als einmal gelesen habe, bin ich Gert Wagner persönlich begegnet. Aus dieser Begegnung entstand eine kollegiale Beziehung, professionelle Zusammenarbeit und eine Freundschaft. Damals hat mir Gert eine Widmung in mein Buchexemplar geschrieben – und der bin ich gefolgt. Das war ein guter Weg und eine durch und durch richtige Entscheidung.

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Kurzweilige und gewinnbringende Lektüre

Gert Wagner gruppiert seine Geschichten geschickt um den jeweilige thematischen Schwerpunkt und erzählt mit leichter Hand: Wie er auf einer Windjammer fast seine ganze Kamerausrüstung verlor und dennoch zu mitreißenden Bildern kam. Mit welchen Tricks er Flugaufnahmen in der Arktis realisierte oder wie man im eigentlich sonnenverwöhnten Kalifornien trotz Dauerregen und tristem Himmel ein aufregend-sommerliches Kalenderfoto gestaltet. Das ist unterhaltsam zu lesen, das weckt Abenteuer- und Fotografierlust – und es zeigt vor allem auch, wie es ist, wenn man unter dem Druck von Produktionen steht und Erwartungen von Redaktionen oder Marketingabteilungen zu erfüllen hat. Der Fotograf ist irgendwo da draußen unterwegs, oft ganz auf sich allein gestellt, und muss unter allen Umständen verwertbare Ergebnisse produzieren, um seine Auftraggeber zufrieden zu stellen.

Jedes Kapitel wird ergänzt um einen Anhang. Hier beleuchtet Gert Wagner technische Hintergründe, Lösungen und Zusammenhänge. Eine knappe Quintessenz an Tipps und Lehren, die der Autor aus den geschilderten Situationen gezogen hat und an die nächste Generation von Fotografen weitergibt. Das ist überhaupt eines der Stärken dieses Buches: es ist (fast) zeitlos, die Geschichten und Anekdoten thematisieren grundlegende Aspekte der Auftragsfotografie und sind daher auch über den Moment hinaus gültig.

Fazit

Wer sich für die Realität in der professionellen Fotografie interessiert, wer selber fotografiert und etwas erfahren möchte von einem Fotografen, der auf hohem Niveau national und international für führende Zeitschriften, Werbeagenturen und Unternehmen fotografiert hat, bekommt mit diesem Buch einen Schatz von Erfahrungen, einen Einblick in die Berufsfotografie und viele Blicke über die Schulter eines Profis. Weitab von den vielen Fotografie-Banalitäten des deutschen Buchmarktes ist dieses Werk für den angehenden Praktiker und den ehrgeizigen Lichtbildner ein echter Solitär im Angebot. Lassen Sie sich von den Geschichten faszinieren, von dem Vorbild anregen, von den Lehren inspirieren und machen Sie sich die Haltung des Autors zu eigen: nie aufgeben, immer das Bestmögliche versuchen, an Grenzen gehen und sie auch einmal überschreiten – dann verbessern sich auch die Bildergebnisse. Ganz egal, ob diese im Selbst- oder im Fremdauftrag erbracht werden.