Mein Jahr mit Fujifilm

Skeptischer Blick? Wird es funktionieren? Es hat funktioniert! :-)

Das Jahr eilt mit Riesenschritten auf sein Ende zu, die erste Adventskerze wird demnächstens entzündet, Weihnachten steht vor der Tür. Jahresabschluss. Das Tempo geht langsam runter. Noch stehen 5 oder 6 Fotoproduktionen an, das ist überschaubar. Zeit, die Dinge abzuschließen, aufzuräumen, aufzuaddieren. Zeit, Bilanz zu ziehen.

Dies ist die Geschichte meines ersten Jahres mit Fujifilm.

Am 26. Februar 2016 habe ich die erste Fujifilm Kamera der neueren Generation zum ersten Mal in den Händen gehalten: Die X-Pro2 hatte mir auf einer Händlerpräsentation so gut gefallen, dass ich ihr etwas Außergewöhnliches zugetraut habe: nämlich auch in der professionellen Fotografie – bei mir: in der Industrie- und Corporate Fotografie – zu bestehen.

Corporate Velden

Eine gute Woche habe ich mir Zeit gelassen, die Kamera kennen zu lernen, sie mir anzueignen. Und am 9. März diesen Jahres habe ich meine erste Produktion im industriellen Kontext damit fotografiert. Seitdem habe ich die Kamera bis auf ganz wenige Ausnahmen nicht mehr aus der Hand gelegt – und später nur dann, wenn ich statt ihrer die X-T2 gewählt habe. Was als zögernder Versuch begann, wurde eine stürmische Affäre und dann eine belastbare und dauerhafte Beziehung. Heute ist es Liebe.

christian

Was ist passiert?

In diesem Beitrag werde ich nicht auf technische Details eingehen, werde keine minutiösen Vor- und Nachteilserwägungen durchführen oder meine Entscheidung für Fujifilm detailliert begründen. Das alles ist schon hundertfach gemacht worden – auch von mir – und die Kommentatoren sind sich weitgehend einig: mit de X-Pro2 und der X-T2 hat Fujifilm jeweils ein sehr starkes Stück Technik abgeliefert, das auf Augenhöhe mit leistungsstarken und professionellen DSLR-Kameras agiert. Die Bildergebnisse sind klasse, die Auflösung hoch, die Schärfe sehr gut und das Bildrauschen bei hohen Empfindlichkeiten hält mit den besten Kameras im Markt mit. Der AF ist ausgezeichnet. Punktum. Mehr will ich an dieser Stelle gar nicht nicht sagen. Es geht mir um etwas anderes.

Erleichterung

Als ich meinen ersten Job mit Fujifilm X-Pro2 und dem 16-55 fotografiert habe, fühlte ich mich wie ein Sportler, der vom Höhentraining in normale Verhältnisse zurückkehrt. Oder wie ein Läufer, der nach anstrengenden Trainings mit Gewichten wieder normal durch den Wald sprintet: einfach erleichtert. Ich ziehe die Kamera aus der Tasche, und das ist kein Wuchten und kein Ziehen im Unterarm: das geht ganz leicht, das fühlt sich unbeschwert an. Mein Körper erinnert sich. Es ist jetzt ungefähr 15 Jahre her, als ich zuletzt mit meiner Minolta XD-7 so fotografiert habe. Ja, genauso. Nur: heute liegt die Kamera noch besser in der Hand. Und sie kann wesentlich mehr.

Canon+Fujifilm

Kleiner Ausflug in die Geschichte

Die Geschichte der bildaufzeichnenden Apparate ist nicht linear und hat manche kuriose Entwicklung zu verzeichnen. Aber auf jeden Fall begann alles mal ganz groß und ganz schwer: mit zentnerschwerem Equipment, das aufopferungsvolle Forscher und Reisende nach Ägypten und in den Orient geschleppt haben. Dann kamen kleinere Formate, flexiblere Trägermaterialien für die lichtempfindliche Emulsion und irgendwann auch die Leica mit ihrem revolutionär kleinem Aufzeichnungsformat, das heute als großartiges und erstrebenswertes „Vollformat“ gilt. Die Bildgröße wurde fortan nicht mehr durch die Größe des Films oder der Platte bestimmt, sondern durch die Vergrößerung im Labor. Dann kam die analoge Spiegelreflextechnik, ein Paradigmenwechsel, und die Kameras waren immer noch sehr handlich.

Mit Autofokusobjektiven, mit leistungsfähigen Windern und Motoren ging es dann aber wieder in die andere Richtung: die Kameras wurden größer, die Objektive wurden dicker und schwerer. Diese Tendenz gipfelten in Modellen wie der analogen Canon EOS 1V: groß, teuer, sehr leistungsstark. Ein Höhepunkt in der Entwicklung?

Technisch sicherlich schon: nie waren Kameras so treffsicher, so schnell und so leistungsstark gewesen.

Und das setzte sich im digitalen Zeitalter nahtlos fort. Eine 1ds, eine 1D MkIII, eine 1Ds Mk III – sie sahen alle genau so aus. Und die entsprechenden Nikon-Teile natürlich genauso. Groß. Fett. Beindruckend. Aber man hatte mit diesen Boliden eben auch ein echtes Monster in der Hand: schwer, auffällig, lautstark und lärmend. Und das nicht nur wörtlich, sondern auch im übertragenen Sinne: diese Kameras waren und sind ein Statement, und sie werden bemerkt, nicht immer positiv. Wenn man damit irgendwo agiert, wird man nicht selten gefragt: „Komme ich jetzt ins Fernsehen?“. Oder die unfreundliche Version: „Was soll das? Löschen Sie das Bild!“

Ich gebe gerne zu: ich stand mal auf so etwas. Ich war fasziniert von diesen großen Dingern. Ich habe mal gesagt: „Ich kaufe immer das Spitzenmodell. Dann kann mir keiner ans Bein pinkeln.“ Ich habe diese Haltung etliche Jahre gepflegt und genossen. Und das war auch OK so.

Aber das ist vorbei. Ich will jetzt etwas ganz anderes.

Ich erinnere mich an die große Zeit der Fotografie. Als das Still-Bild das führende visuelle Medium war. Als mutige und abenteuerlustige Fotografen mit ihren Kameras in die Welt ausgeschwärmt sind, um aufregende Geschichten zu erzählen. Diese Fotografen arbeiteten oft am Rande des Möglichen, des Erlaubten, des Genehmigten. Sie benutzten dafür die Technik ihrer Zeit, aber: auf der Höhe der Zeit.

Aber sie benutzten in der klassischen Zeit keine Kameramonster. Es waren Leicas, Contaxe, Nikons der 50er bis 80er Jahre. Handliche, freundliche, unauffällige Kameras.

Ich habe in der digitalen Ära lange auf etwas warten müssen das dem entspach. Erstklassige Qualität in kompakter Form. Großer Sensor, kleiner Formfaktor. Die Fujifilm X-100 war das erste Kameramodell, das diese Qualitäten bot. Dann folgten die X-Kameras mit Wechselobjektiven. Ein Traum wurde wahr. Und er vollendete sich, als die Pro2 und die T2 kamen: die gleichen Qualitäten, die gleiche Philosophie, aber jetzt auch in professionell.

Professionalität

 Auch wenn ich fast ausschließlich kommerzielle Kunden habe: ich fasse mich und meine Fotografie als Abenteuer auf. Ich nehme Teil an außergewöhnlichen Locations, ich begegne  herausragenden Menschen und außergewöhnlichen Technologien. Hier bin ich zu Gast mit meiner Kamera. Ich erzähle die Geschichte meiner Kunden.

Was macht eine professionelle Kamera für mich aus? Vielleicht kann man es mit zwei Worten sagen: Sicherheit und Leistung.

Sicherheit: redundante Bildaufzeichnung, scharfe Fotos in allen möglichen Situationen. Meisterung aller möglichen Aufnahmesituationen in produktionsrelevanter Qualität.Robuste Kameratechnik.

Leistung: treffsicherer Autofokus, flotte Serien, Nachführ-AF, der wirklich funktioniert. Excellente Bildqualität in allen Lebenslagen.

Das haben die Spiegellosen von Fujifilm mit ihren neuesten Modellen nun geschafft. Nur von den Funktionen her und ganz nüchtern betrachtet, boten die Kameras damit das, was „die anderen“ schon lange konnten. Na schön. Ein Spielzeug mehr in der Kiste. Kein Grund sich weiter aufzuregen, oder? Eigentlich. Aber da ist noch etwas anderes.

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Emotionen

Ich sprach zuvor von den mutigen und leidenschaftlichen Fotografen, die die Welt erkundeten, um ihrem Publikum von der Schönheit und der Außergewöhnlichkeit der Welt zu berichten.

Ich sehe mich auch irgendwie in dieser Tradition. Ich bin auch eine Art Geschichtenerzähler, der die Faszination eines Berufes, einer Lebenswirklichkeit, einer Technologie und der Menschen, die mir ihr umgehen, erzählt. Ich sehe mich nicht als Werbefotografen, der den Art Director beeindrucken (oder ihm Sicherheit geben) will.

Ich sehe mich auch als einen Fotografen, der sich das Leben erleichtern möchte. Ich sehe mich als jemanden, der optimal zu seinem Ziel kommen möchte. Ich möchte meine Stories „ganz leicht“ erzählen und mich frei und unbeschwert bei der Arbeit fühlen und als Fotograf freundlich wirken. Ich will das Vertrauen der Menschen gewinnen. Ich will niemanden beeindrucken, sondern überzeugen. Die Menschen sollen die Kamera möglichst gar nicht sehen.

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Ich sehe mich als X-Photographer.

 

Erleichterung

Was unterscheidet die X-Kameras von Fujifilm von den anderen professionellen Modellen?

Sie sind leicht. Sie sind smart. Sie bieten eine klassische Bedienungsphilosophie mit Blendenring und Drehrädern.

Sie bieten eine neue Form ehrlicher Fotografie.

Ich weiß schon: wenn man Gramm, Kilos, Leistungen vergleicht: dann gibt es viele Bewerber um die Aufmerksamkeit und die besten Plätze.

Nimm eine X-Pro2 in die Hand. Verstehe das Konzept. Und fühle Dich ein in den Dschungel der bildnerischen Möglichkeiten. Du kannst alles machen. Du hast volle Leistung. Du bis auf der Höhe der Zeit. Du bist ein Fotograf, der eine altmodische Knipse in der Hand hat. Niemand nimmt Dich wahr. Du kannst jedes Bild machen. Oder anders: man nimmt Dich kraft Deiner Persönlichkeit und Deiner persönlichen Macht wahr. Aber nicht, weil Du etwas angesagt Professionelles in der Hand hast. Sondern, weil Du bist, wer Du bist.

Nimm eine X-Pro2 oder eine X-T2 in die Hand und genieße Dich in Deinem Flow. Es funktioniert.

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Exklusive Möglichkeiten

Jedes Werkzeug hat seine ureigenen Vorteile und exklusiven Möglichkeiten. Nach 10 Jahren digitaler Spiegelreflexfotografie sind mir ein paar Dinge positiv aufgefallen, die ich in 2016 nur mit den Fujifilms machen konnte. Zum Beispiel:

  • Die kleinen Kameras lassen sich enorm flexibel einsetzen und ermöglichen damit Bilder, die sonst nicht möglich wären. Ich verstecke sie in Maschinenteilen oder an anderen unzugänglichen und beengten Orten und löse per Fernsteuerung aus. Das ergibt mitunter Perspektiven, auf die ich sonst verzichten müsste.
  • Das Klappdisplay der X-T2 erspart mir manche Verrenkung oder ermöglicht Aufnahmestandorte, die sonst nicht möglich wären
  • Der Autofokus greift in schummrigen oder Gegenlicht-Situationen um Größenordnungen besser als es die beiden Spitzen-DSLRs tun, die wir haben/hatten
  • Die so viel weiter außen liegenden Fokuspunkte geben eine neue Freiheit bei der Komposition des Bildes (auch etwas, worauf Fotografen dank des technischen Fortschritts lange verzichten mussten)
  • Den elektronischen Sucher sehe ich als wichtige Hilfe bei der Prävisualisierung eines Bildes an – und auch bei der Beurteilung eines gerade geschossenen Bildes.
  • Bei meiner freien Fotografie kann ich aufgrund des „harmlosen“ Charakters der Kameras auch dann noch Bilder machen, wenn ich mit der DSLR längst in Diskussionen mit dem Sicherheitspersonal verwickelt wäre.

Back to Reality

Das alles zusammengenommen sind starke Argumente und noch stärkere Emotionen. Aber ich spreche hier nicht über Romantik oder Theorie. Das sind sehr konkrete Erfahrungen aus 9 Monaten professioneller Industrie- und Corporate-Fotografie mit X-Kameras. Die Kameras helfen Dir, sie unterstützen und erleichtern den Job. Niemand stellt Dich in Frage. Niemand zweifelt Dein Können an. Niemand schickt Dich nach Hause. Niemand hindert Dich am Fotografieren.

Die Menschen wollen nur wissen, welche Vision Du von ihrem Leben hast. Und wie Du diese Geschichte mit deiner Kamera erzählst.

Erzähle sie.

Jahresfazit

Ich bin mit Fujifilm X-Pro2 und X-T2 nun fast ein Jahr unterwegs. Ich habe die Kameras eingesetzt in den unterschiedlichsten Situationen.

  • in der Nabe einer Windkraftanlage
  • in unterirdischen Wasserwerken
  • in Brunnen unter der Erde
  • in Abfalltrennungsanlagen
  • auf Segeltörns
  • in der Flugzeigindustrie
  • in einer Glasbläserschule
  • auf hoher See
  • in luftiger Höhe
  • tief in …
  • hoch auf….
  • mitten drin…

Ich habe meine Vision des Themas damit immer umsetzen können. Nie hat sich ein Kunde über irgendetwas beschwert. Alle waren sehr zufrieden. Der einzige Kommentar zur Kamera selbst kam von der Marketing-Leiterin eines Unternehmens. Sie fand die Fujifilms besonders „hübsch“.  🙂

Perfektion?

Sind die X-Kameras perfekt? Natürlich nicht. Sie können auch nicht alles besser als die anderen. Aber sie sind fit für’s Business. Sie sind richtig gut. Und sie machen mir Freude: Jeden Tag, jede Sekunde, in denen man sie in der Hand hält.

Es ist eine andere Qualität, damit zu arbeiten. Die fotografische Realität und Praxis hat eine Dimension hinzu gewonnen. Dafür bin ich dankbar. Dabei werde ich bleiben. Und ich freue mich auf eine spannende Zukunft.

Die Entwicklungen werden weiter gehen. Ich habe noch so manche Wünsche an das System – ich hoffe, Fujifilm hört ein bißchen auf mich! 🙂

Viele Grüße von der Bilderfront. Wir sehen uns.

Christian Ahrens

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Glasklar gesagt: Ich setze diesen Link ausschließlich auf Dinge, die ich selbst ausgiebig erprobt habe und in der Praxis erfolgreich einsetze – und die ich daher von ganzem Herzen empfehlen kann. Also: viel Freude damit! 🙂

Neue Kofferordnung – Anpassung an den status quo

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Der Fotokoffer, die Fototasche ist eine heilige Kuh. Jeder Fotograf hat seine Packordnung, weiß genau, an welcher Stelle und in welchem Fach welches Teil liegt und kann blind in die Tasche greifen, um das gewünschte Gerät sofort herausziehen zu können. Und obwohl das so ist, und obwohl das wichtig ist, verändert sich die Packordnung im Laufe der Zeit immer wieder, nämlich dann, wenn sich grundlegende Dinge ändern: wenn neue Techniken einziehen oder sich das Verhalten des Fotografen ändert. Beides ist in den letzten Monaten bei mir passiert, und deshalb ist es nun mal wieder soweit: der Koffer wird neu organisiert!

Nachdem der Sommer nun endgültig vorbei ist, ist jetzt auch ein guter Zeitpunkt dafür: wir starten in die Jahresendrallye. Nach enggetaktetem Frühjahr, entspanntem Sommer und vielversprechendem September stehen nun noch die zweieinhalb Monate bis Weihnachten an. Das Auftragsbuch füllt sich erfreulich, und wir freuen uns auf spannende Erlebnisse und coole locations. Auf dem Plan stehen Produktionen in Berlin und Hamburg, wir fotografieren in der Chemie, in Museen, bei Industrieausstattern, bei Airbus…. Es ist eine Freude, diesem abwechslungsreichen Beruf nachzugehen!

Noch ein Wort zum Koffer: naturgemäß ist er das Kernstück meiner Ausrüstung, hier finden sich die zentralen Tools wie Kameras und Objektive, aber auch das kleine Licht (diverse LED-Lampen und 4 manuelle Yongnuo YN560-IV Handblitzgeräte). Dahinter steckt die Philosophie, notfalls praktisch jede Fotoproduktion mit diesem Koffer (und 2-4 Stativen) realisieren zu können. Sogar klassische Portraits könnte ich machen – Dank eines zusammenfaltbaren Beauty Dish’s (das ist das gelbe Ding links oben). Ergänzt wird dieser Koffer um einen weiteren mit dem „großen“ Licht, einen Koffer für die verschiedenen Sicherheitsausrüstungen und -Klamotten – und dann gibt es noch zwei große Stativtaschen mit Stativen und Aufhellern.

Doch warum nun die Neuordnung im Kamerakoffer?

In den ersten Jahren habe ich die Fujifilm X-Kameras ja exklusiv mit Festbrennweiten genutzt. Das war in der Zeit, als ich ausschließlich privat oder „frei“ mit den Kameras gearbeitet habe. Zur smarten X-E2 die kleinen Festbrennweiten – das erschien mir schön, „klassisch“ und einfach richtig. Seitdem ich die X-Pro2 und X-T2 nun auch beruflich nutze, sind natürlich auch die Zooms dazugekommen: das 10-24 und das 16-55 sowie das 50-140. Die sind halt einfach praktisch. Trotzdem: seitdem ich mit Fujifilm fotografiere, fotografiere ich (auch beruflich) wieder viel mehr mit Festbrennweiten! Kann gar nicht mal sagen, warum eigentlich, ich habe einfach Lust darauf und genehmige mir den zusätzlichen Objektivwechsel viel öfter als zu DSLR-Zeiten. Ob es eine Folge des klassischen Kamerakonzeptes ist?

Wie auch immer, ich tue es, und ich mag es. Also müssen die Festbrennweiten nicht nur immer dabei sein, sondern auch wohlgeordnet und optimal im Zugriff. Und weil die vielen schwarzen Objektive in der Tasche manchmal auf den ersten Blick kaum auseinanderzuhalten sind, haben sie auch noch eine aussagekräftige Beschriftung bekommen…. Sinnvollerweise (?) auf dem Objektivdeckel…. 🙂 Aber zum Glück arbeiten wir ja als Fotografenteam, und so wird zumindest kein dämlicher Assistent die Deckel vertauschen… Weil, wir werden natürlich immer den richtigen Deckel auf’s Objektiv schrauben, gell? 🙂

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In diesem Sinne wünsche ich allen Fotografen einen starken Herbst, coole Bilder, sexy Jobs. glückliche Kunden und ein gutes Händchen für eine ideale Packordnung. Die nächste Revision kommt bestimmt!

Update: Mehrere Leser haben nachgefragt, welchen Fotokoffer ich (sehr zufrieden) nutze. Es handelt sich um den Pro Roller X300 AW von Lowepro – allerdings habe ich offenbar noch ein älteres Modell, das zwischenzeitlich überarbeitet wurde und nun leicht anders aussieht (vor allem im Deckel innen).

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Glasklar gesagt: Ich versichere ausdrücklich, dass ich nur Dinge empfehle, die ich selbst ausgiebig kennengelernt habe, in der Praxis erprobt und mit ganzem Herzen empfehlen kann. Also: viel Freude damit! 🙂

 

Fujifilm X-T2: Das zweite Flaggschiff

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Wer meinem Blog ein bißchen gefolgt ist, weiß, wieviel Freude und erfüllte Praxis ich mit der Fujifilm X-Pro2 in den letzten Wochen und Monaten gehabt habe: Hier kam ein Hersteller mit einer herz-ergreifenden Kamera, die gleichzeitig aber auch über die Skills und Fähigkeiten verfügt, die ich für einen professionellen Einsatz in der Industrie- und Technologie-Fotografie erwarte. In erster Linie: Performance, AF, Sicherheit und Bildqualität. Und dass all das mit einer so „kleinen“, smarten, relativ leichten und so entzückend „klassischen“ Sucherkamera möglich war/ist, erhöht den Reiz des Anwendens nochmal zusätzlich. Ein Treffer also – mitten ins Herz.

Und dann kam vor ein paar Monaten die Anfrage von Fujifilm: ob ich Zeit und Interesse hätte, eine neue Kamera zu testen. Alles noch streng geheim und vertraulich und ohne Details.

Ich bin ein neugieriger Fotograf. Und wenn ein Hersteller, der gerade ein so cooles Produkt wie die X-Pro2 vorgelegt hat, etwas Neues auf der Pfanne hat, denke ich nicht lange nach. Ich signierte eine engagierte Verschwiegenheitserklärung und bekam wenige Tage später die neue Kamera.

Der Erlkönig entpuppte sich als „upcoming“ Fujifilm X-T2. Die Kamera, die dieser Tage offiziell angekündigt wurde. Mit Hochformat/Batterie-Griff. Und dem riesigen Sucher.

Ich muss zugeben: im ersten Moment war ich ein wenig ernüchtert – wenn auch nicht gänzlich überrascht. Trotzdem: Ich war gerade in eine heftige Liebesaffäre mit der X-Pro2 und ihrem Sucherkamera-Design verwickelt – und da kommt etwas ganz anderes daher: eine Kamera aus der „anderen“ Produktlinie. Eine Kamera, die die Spiegelreflexkameras der 70er Jahre zitiert. Und ich hatte mein Herz gerade an eine Kamera verloren, die die Sucherkameras der 60er Jahre zitiert und mit neuem Geist und aktueller Technik beseelt.

Warum mich das klassische Reportagenkamera-Design der X-Pro2 so begeistert, habe ich in verschiedenen Blogbeiträgen ausführlich dokumentiert. Zum Beispiel hier.

Aber auch das Design der X-T2 berührt etwas in mir: Sie erinnert mich an meine erste Spiegelreflex, mit der ich sehr lange fotografiert habe. Die selige Minolta XD-7 war ein wunderbares Stück Technik.

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Erfahrungswerte

Doch wie auch immer, und Nostalgie jetzt mal endgültig beiseite gelegt: was ist die X-T2 für eine Kamera? Und wie schlägt sie sich in der Praxis?

Wirklich beurteilen kann ich das erst seit einigen Wochen. Erst mit dem letzten Firmware-Update hat die Kamera den Funktionsumfang und die Leistung erhalten, die einen belastbaren Einsatz in der Praxis erlaubte und eine realisitische Beurteilung des Fotografier-Gefühls mit dieser Kamera zulässt.

Bitte beachten: Meine nachfolgenden Beschreibungen beziehen sich immer noch auf ein Vorserienmodell – es ist also durchaus möglich und sogar wahrscheinlich, dass sich die Hard- und Software des Serienmodells noch geringfügig unterscheiden wird.

Zunächst einmal: die zentrale Hardware der X-T2 ist identisch mit der der X-Pro2: der gleiche Aufnahme-Chip, die gleiche Kapazität in der Elektronik. Was sich unterscheidet: Das Bedienkonzept, die Haptik, der Sucher und auch die Fähigkeiten der Firmware.

Also schauen wir uns mal an, was hier nachvollziehbar und offenkundig geboten wird:

Wir bekommen wie bei der X-Pro2 einen Nachfolger. Die X-T2 löst die renommierte und sehr beliebte X-T1 ab. Sie bietet moderne Technik wie den 24 MP-Chip, einen aktualisierten Sucher und etliche Leistungsverbesserungen. Die X-T2 ist damit mindestens auf Augenhöhe mit der X-Pro2 und damit so etwas ähnliches wie ein zweites Flaggschiff – aber eben mit einem anderen Gehäuse, einer anderen Bedienung und einer anderen Philosophie.

Ich habe die X-Pro2 und die X-T2 eine ganze Zeitlang parallel benutzt. Zunächst so, dass die X-Pro2 die führende Rolle hatte und die X-T2 eher als Notiz- und Making-of-Kamera eingesetzt wurde. Als die Leistung der Kamera via Firmware-Updates immer besser wurde, ändert sich das, zuletzt habe ich die X-T2 dann als Hauptkamera eingesetzt und komplette Produktionen mir ihr durchgeführt. In vielen Situationen baumelten aber einfach beide Kameras an meinen Schultern, und ich habe situationsbedingt jeweils zur einen oder zur anderen gegriffen.

Smartness

Was wirklich positiv ist: das geht auch mit dem für mich ungewohnten Gehäuse der X-T2 und mit dem Batteriegriff, ohne dass man sich einen Bruch hebt. Der grundsätzliche Vorteil der Gewichtsersparnis gegenüber aktuellen Top-DSLRs bleibt erhalten. Auch die X-T2 ist eine eigentlich kleine Kamera, die mit angesetztem Batterie- und Hochformatgriff zwar deutlich an Dimension zulegt, aber immer noch vergleichsweise leicht und easy handle-bar bleibt. Das ist gut so und für mich nach wie vor ein wesentlicher Vorteil im Alltag.

Ich weiß, dass das ein höchst subjektiver Ansatz ist, aber es ist MEIN Vergleich und es sind meine Alternativen:

Wenn ich mein DSLR-Topmodell nehme und mit einem Standard-Zoom 24-70/2.8 kombiniere, dann komme ich auf knapp 2,5 Kilo Gewicht. Nehme ich die die X-T2 mit dem 16-55/2.8, dann sind das 1.587 Gramm. Das ist fast ein Kilogramm Unterschied. Und nehme wir das „andere Flaggschiff“ – die X-Pro2 mit Handgriff – dann landen wir sogar bei nur 1.309 Gramm.

Es gehört zu den Prämissen meiner Arbeit, „smart“ zu fotografieren. Das drückt sich nicht nur in Sachen Kameratechnik aus, sondern auch bei meinem anderen Equipment, zum Beispiel beim Licht: Ich komme nicht mit einem mit Blitzanlagen vollgepackten LKW , sondern mir reichen fast immer zwei Taschen und coole kleine Blitze, LED-Panels und Taschenlampen.

Ich stehe auf „smarte“ Technik – und die beiden Flaggschiffe von Fujifilm gehören beide definitiv dazu.

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Praxistauglichkeit

Ich war mit meinen beiden Fujfilms in den letzten Wochen viel unterwegs, wir haben überall in Deutschland fotografiert, u.a. in Abfalltrennungsanlagen, in der Glasaufbereitung, in Kompostieranlagen, bei den Müllwerkern, in Werk- und Produktionsstätten jeglicher Art. Wir waren in der Glasbläserschule in Lauscha und wir haben die Arbeit einer Goldschmiedin in Köln fotografiert. Bei den Spezialfahrzeugwerken Feldbinder in Norddeutschland haben wir die komplette Produktion fotografisch interpretiert und just heute waren wir mit Fujifilm X-Pro2 und der X-T2 in einer Muster- und Forschungsfabrik der Technischen Hochschule in Aachen.

Es war nass, es war kalt, es war heiß, es war staubig: wo immer wir waren, die X-T2 und die X-Pro2, haben ihren Job gemacht.

 

Anregungen

Gibt es etwas zu verbessern? Natürlich gibt es das. Hier einige Anregungen für künftige Modelle:

  • die Knöpfe auf der Oberseite und oben auf der Rückseite sind mir etwas zu bündig und nicht erhaben genug, sie lassen sich erst nach viel Übung blind ertasten
  • Der Batteriegriff könnte einen Hauch schöner gestaltet werden
  • Das Fokushilfslicht (auch wenn man es echt selten braucht!) sollte weiter außen platziert werden, es wird sonst von den großen Objektiven zu sehr abgeschattet
  • Der Joystick könnte nach meinem Geschmack da sein, wo die Q-Taste ist und umgekehrt
  • Die Wifi-Funktion kann vermutlich leicht ausgebaut werden, vor allem das kontinuierliche Streamen von JPG-Dateien auf ein iPad oder Laptop wünsche ich mir sehr

 

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Gleich, aber anders

Wenn ich meine Praxiserfahrungen mit der Fujifilm X-T2 auf einen Satz reduzieren müsste, würde ich sagen:

„Die Fujifilm X-T2 ist genauso großartig wie die X-Pro2, aber anders.“

Sie hat den gleichen Sensor, sie hat mindestens die gleiche AF-Performance (Fujifilm spricht von einer deutlichen Weiterentwicklung), sie ist sehr schnell (lt. Specs sogar deutlich schneller).

Beide Kameras meistern Alltagssituationen, die Anforderungen der Praxis und die Herausforderungen rauher Umgebungen.

Auch wenn der Vergleich der technischen Daten vielleicht klare Vorteile für die X-T2 ausweisen, heißt meine persönliches Resumée: die Kameras spielen in einer Liga. ABER: sie sind für unterschiedliche Einsatzzwecke jeweils besonders geignet:

  • Wenn ich demnächst Fotos aus einem Gulli heraus machen will, greife ich zur X-T2 (Klappdisplay)
  • Wenn ich Menschen, die selten vor der Kamera stehen, portraitieren will, greife ich zur X-Pro2 (der „menschlichere“ Faktor, u.a. dank Sucherkamera-Design)
  • Wenn ich Bewegungsabläufe oder schnelle action fotografieren will, nehme ich die X-T2 (Speed)
  • Wenn ich unauffälliger und weniger „offiziell“ wirken will, nehme ich die X-Pro2 (Größe, Design)
  • Will ich auf einer Veranstaltung den Redner portraitieren, greife ich zur X-T2 (Hochformatgriff)
  • Und wenn ich einfach ein gutes Foto machen will: dann nehme ich die Kamera, die mir als erste in die Finger fällt oder die gerade das passende Objektiv aufgesetzt hat …. 🙂

Ob man sich für die X-Pro2 oder die X-T2 entscheidet, ist für mich primär keine objektive oder technisch klärbare Frage, sondern vor allem eine Gefühlsangelegenheit:

  • Welche Kamera gefällt mir besser?
  • Welche fühlt sich besser an?
  • Was macht dieses Stück Technik mit mir und den Menschen, die ich fotografiere?
  • Welche Saiten bringt das jeweilige Modell in mir zum Klingen?

Sicher, die Liebhaber schneller action und Sport werden mit der X-T2 einen Hauch besser bedient sein – aber alles geht mit beiden. You decide!

 

Mein Fazit:

Fujifilm geht mit der X-T2 konsequent seinen Weg weiter und stellt ein weiteres Kameramodell vor, das sich auch im professionellen Einsatz hervorragend schlagen wird, hochwertig und mit viel Verve umgesetzt ist und erfolgreiches Fotografieren auf praktisch allen fotografischen Feldern ermöglicht.

Die X-T2 bildet zusammen mit der X-Pro2 eine Art Doppelspitze: beide Kameras sind die Flaggschiffe ihrer jeweiligen Kameralinie und performen excellent. Welchen Formfaktor man mehr schätzt, welches Modell man lieber in der Hand hat, das ist eine überwiegend subjektive Entscheidung und abhängig von den Themen und Einsatzgebieten des Fotografen.

Ich entscheide mich ohne Zögern:
Für beide.

 

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Ohne Wenn und Aber: Ich setze diesen Link ausschließlich auf Geräte, die ich selbst ausgiebig erprobt habe und in der Praxis erfolgreich einsetze – und die ich daher von ganzem Herzen empfehlen kann. Also: viel Freude damit! 🙂

christian

Fujifilm X-Pro2-Projekt (21): Emotionale Zwischenbilanz

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Hallo Fotografen,
ich schreibe heute Abend mal ganz emotional und unsachlich… 🙂
Ich sitze hier auf meinem Sofa – höre aufregende Musik und denke nach – nach mehreren Wochen harter Arbeit, permanent unterwegs, tagsüber fotografierend, abends im Hotelrestaurant an den Daten arbeitend, etwas atemlos, etwas ausgepowert. Und immer mit der X-Pro2.
Diese Woche war zum Glück etwas ruhiger. Wegen der Unwetter sind ein paar Tage Fotoshoot im Süden verschoben worden – und wir konnten endlich einmal Luft holen.
Heute Abend hatten wir Besuch von einer Kollegin und Wegbereiterin. Ich habe ihr von den Erfahrungen mit den Fujifilms erzählt.
Und dabei ist mir einmal mehr klar geworden, wie sehr ich das neue Arbeiten mit dieser Kamera genieße. Die Leichtigkeit und die Spontanität. Das „klassische“ Handling. Die ganze Welt einer reichen Vergangenheit, die in die Zukunft transportiert wurde.
Zuviel reininterpretierte Bedeutung? Überzogen?
Ich glaube nicht.
Jeder Fotograf hat eine emotionale Beziehung zu seinem Werkzeug. Zu den Canons hatte ich das auch mal. Zu meiner Minolta und zu meiner Contax auch. Aber die Parameter und die Paradigmen wechseln. Mir geht es heute um etwas anderes. Ich brauche nicht mehr das „amtliche“ Profiwerkzeug. Ich brauche das, was mir entspricht.
Neben meiner professionellen/kommerziellen Fotografie verfolge ich noch eine andere Schiene Die X-Pro2 ist auch dafür ein phantastisches Hilfsmittel.
Gut fotografieren kann man nur, wenn man eine Beziehung zu den Herzen der Menschen aufbauen kann. Wenn man sie erreicht und wenn sie spüren, dass gerade etwas für sie und für uns Bedeutendes und Wichtiges passiert und dass sie der Mittelpunkt der Story sind – und dass die Welt einen Moment innehält – dann ist man auf dem Weg und liefert etwas ab, was nicht nur den „Job“ erfüllt, sondern auch den SINN dazu beisteuert.
Eine Kamera ist nur eine Kamera. Aber eine Kamera kann helfen und unterstützen – und man kann sich mit ihr gut und „richtig“ fühlen.
Fujifilm ist mit seinen Produkten diesbezüglich auf einem sehr guten Weg. Da ist mehr als nur Technik und Markterfolg. Da ist eine Form von SPIRIT, den ich spüre, schätze und nutzen möchte.
Mit der X-Pro2 bin ich als Fotograf harmloser, vertrauenswürdiger, seelenvoller, menschlicher – und auch entspannter und er-leichterter.
Ich bin schneller. Ich bin aktueller. Ich bin näher dran.
Woodoo? – Nein!
Reine Magie! 🙂
Meine fotografische Umwelt spürt das und honoriert das.
Vielen Dank dafür.
Christian Ahrens

X-Pro2-Projekt (20): Fujifilm in Reinkultur

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Hallo zusammen,

ich hatte etwas Sendepause hier im Blog, das liegt im Moment vor allem daran, dass bei uns die Hütte brennt und wir fast ununterbrochen unterwegs sind und sehr schöne Fotoproduktionen umsetzen. Mein Experiment setze ich fort – die Fujifilm X-Pro2 ist meine Hauptkamera und macht ihren Job seit Wochen ausgezeichnet.

Was mir besonders auffällt: punktscharfe Bilder habe ich mehr als mit der Spiegelreflex! Es erstaunt mich selbst, stimmt aber. Vor allem in schummrigen Situationen stellt die Fujifilm besser und präziser scharf, es gibt fast keinen (technischen) Ausschuss. Und: die „demokratisch über die ganze Fläche verteilten Fokuspunkte“ 🙂 sind einfach ein Geschenk. Einmal habe ich testweise zur Canon gegriffen – und bin sofort wieder zurückgewechselt. Ich will die außenliegenden Fokuspunkte! Und noch ein Aspekt: das Handling stimmt, meine Hände haben das blinde, intuitive Arbeiten gelernt, alles geht jetzt flüssig und smouth. OK, ich habe das Okulargummi endgültig verloren bzw. geschreddert. Man muss die Kamera dafür wirklich einschicken – das kommt für mich aber erstmal nicht in Frage, wir sind auch in den kommenden Wochen viel auf Achse.

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Und: mein Kamerakoffer ist jetzt Fujifilm-only. Siehe Beitragsbild. Und ist damit auch deutlich leichter geworden und bietet sogar wieder freien Platz. In den vergangenen Wochen, in denen ich praktisch zwei Systeme mitgeschleppt habe, ging der Koffer deutlich auf die 30 Kilo zu – das hat sich jetzt erheblich entspannt. Kann aber nicht nachwiegen, ich hatte bisher noch kein Hotelzimmer mit Waage…

Zugegeben: in den Tiefen meines „elektrifizierten Koffers“ sind auch noch eine DSLR und 2 Objektive. Für den Fall der Fälle. Falls irgendetwas ganz schreckliches passieren sollte. Ist aber bisher nicht. Und morgen ist Freitag, und wir haben ein Wochenende fotografier-frei! Sehr begrüßenswert. Man braucht einfach auch mal eine Pause. Viele Grüße aus Hamburg.

Christian

X-Pro2-Projekt (19): Ein Wort zu den Zooms

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Als ich mit Fujifilm noch rein privat und mit XE-1 und XE-2 unterwegs war, hatte ich ausschließlich Festbrennweiten – das war meine selbstauferlegte Regel für das freie Fotografieren außerhalb professioneller und kommerzieller Zusammenhänge: keine Zooms, kleine Linsen, immer nur eine oder zwei Objektive zum Wechseln dabei. So ganz handwerklich und klassisch, wie es die alten Meister der Sucherkamerafotografie eben auch gehandhabt haben. Die fünf Festbrennweiten, die ich habe, fand und finde ich allesamt klasse. Der gute Ruf von Fujifilm auch bezüglich der Linsen besteht zu Recht, ich habe alle Objektive immer frei Schnauze benutzt, die Blende aufgemacht und so fotografiert, wie es das jeweilige Motiv eben verlangte. Wenn die Kamera und der AF mitgemacht haben, war das Ergebnis immer sehr gut, schöne Schärfen und und schöne Unschärfen.

Mit meinem Entschluss, die Fujifilm X-Pro2 auch in der professionellen Fotografie einzusetzen, änderte sich die Lage etwas. Hier erschien es mir nun nicht mehr zielführend, ausschließlich mit Festbrennweiten zu fotografieren, das schnelle und flexible Zoomobjektiv ist zumindest in den meisten Fällen das Mittel der Wahl. Also kamen das 10-24/4.0, das 16-55/2.8 und später auch das 50-140/2.8 ins Haus und bevölkerten meinen Fotokoffer bei Auftragsproduktionen. Damit war es natürlich auch vorbei mit den kleinen, handlichen Festbrennweiten: so ein 16-55 ist ein ganz schöner Klopper, auch wenn der Gewichts- und Volumenvorteil gegenüber einem entsprechenden KB-Zoomobjektiv trotzdem gewahrt bleibt.

Mit den Zooms kamen aber auch Objektive, die über den Antrieb der neuesten Generation verfügten: blitzschnell – speziell im Zusammenspiel mit der X-Pro2 – praktisch lautlos und immer auf den Punkt. Das kannte ich von den Festbrennweiten vorher nicht: da waren die Motoren noch deutlich zu hören, alles wirkte etwas behäbiger und mechanischer. Die drei Zoom-Objektive waren da auf einmal eine ganz andere Klasse, und sie machten richtig Spaß.

Ich bin kein Pixelpeeper und mir liegen langwierige Objektivtests fern. Deshalb habe ich die drei Objektive nach einigen Testschüssen mehr oder weniger unbesehen sofort eingesetzt. Die Ergebnisse entsprachen dem guten Eindruck aus Haptik und Motorik: scharfe Bilder, auch bei Offenblende, bis in die Seitenbereiche. Selbst der Weitwinkel (der mit seiner Blende 4.0 zugegebenermaßen gegenüber meinem bisherigen UWW mit 2.8 einen Vorteil hat) machte in allen Lebenslagen einen excellenten Eindruck. Der gute Ruf der Fujifilm-Objektive bestätigte sich also auch bei den Zooms, für mich sind das allesamt erstklassige Produkte, die auf sehr hohem Niveau einen super Job machen.

Ich muss zugeben, für diesen Beitrag habe ich am heutigen gemütlichen Pfingstsonntag dann doch so etwas ähnliches wie einen Pixelpeeper-Test gemacht. Meine bewährte Mickey Mouse musste als Testsubjekt herhalten. Und damit es nicht zu öde wird, habe ich mir vorher ein Stück Apfelkuchen besorgt und mir einen leckeren russischen Earl Grey gekocht. So lasse ich es mir gefallen!

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Dann habe ich mich gemütlich aufs Sofa gefläzt und mit jeden Zoom bei jeweils drei Zoom-Einstellungen (minimale, mittlere und maximale Brennweite) immer zwei Bilder gemacht: einen AF-Punkt maximal links und einen maximal rechts. Dann abgedrückt. Nur einmal natürlich, das Bild muss schon sitzen…. Und nach den 18 Fotos habe ich mir die dann bei 100 Prozent angeschaut. Vermutlich sorge ich jetzt nicht für die Sensationsüberraschung, wenn ich meinen streng wissenschaftlichen Test dahingehend auswerte, dass alle Fotos nicht nur scharf fokussiert sind, sondern auch erstklassig scharf abbilden. Auch bei 100 Prozent. Auch ohne Nachschärfen. Einfach so.

Nichts besonderes eigentlich, dieses Ergebnis erwartet man von aktuellen Top-Produkten zu Recht. Bei den Objektiven meiner Spiegelreflex ist das nicht anders, vielleicht mit der Einschränkung, dass der UWW-Zoom am Rand deutlich stärker nachlässt. Aber, wie gesagt, eben bei Blende 2.8. Hier könnte Fujifilm bei Gelegenheit ja mal einen Pendant auf den Markt bringen, ich vergleiche dann gern.

Was ich aber bemerkenswert finde: ich habe trotzdem mehr scharfe Bilder als früher in meiner Ausbeute! So schnell der AF der Spiegelreflex auch ist, so passiert es unter bestimmten Umständen trotzdem immer wieder, dass die AF-Messpunkte einfach nix finden und der Fokus hilflos herumirrt. Zum Beispiel, wenn wir on location Szenen fotografieren, die überwiegend von unserem Blitzlicht gestaltet werden und unsere Darsteller im Halbdunkel bei schwachen Kontrasten  anvisiert werden. Dann müssen wir oft eine Taschenlampe oder ein LED-Licht nehmen, damit die Spiegelreflex den Fokus findet. Anders bei der Fujifilm X-Pro2 im Zusammenspiel mit den hier genannten Zooms: Die Kamera findet unter praktisch allen Bedingungen noch irgendeine Kante und macht die Schärfe klar. Das ist ein Phänomen, oder wie meine Kollegin Silvia überrascht sagte: „Verdammt, die Bilder sind ja einfach IMMER scharf!“.

Das sind sie wirklich fast immer, und die sehr guten Optiken haben im Zusammenspiel mit den präzisen Antrieben der Zooms und der auf Sensorebene gemessenen Schärfe sicherlich einen gewichtigen Anteil daran – aber wie auch immer dieses Ergebnis möglich ist: ich kann es nutzen und habe weniger Nerverei in schwierigen Aufnahmesituationen.

Und noch etwas: die Fujinon-Zooms sind gut fürs Gehirn! Wirklich! Ich musste mich daran gewöhnen, den Zoom-Ring anders als gewohnt zu drehen… Glaubt man den Neurowissenschaftlern, fördert das die Vernetzung. Und das wiederum ist gut für alles! 🙂

Also, nochmal zusammenfassend: die drei hier genannten Zooms kann ich aus vollem Herzen empfehlen: sie sind wertig gebaut, präzise und schnell und bieten eine excellente Abbildungsleistung, die mindestens auf Augenhöhe mit den besten Objektiven des Marktes ist. Dank APS-C sind sie zudem alle ein bißchen filigraner und leichter als die jeweiligen KB-Pendants, zumindest bei den Paaren, bei denen ein Vergleich derzeit möglich ist. Beim Standardzoom treten 670 (Fujifilm) gegen 817 Gramm (Canon) an und  beim langen Rohr ist das Verhältnis sogar 1001 zu 1490 Gramm. Die Bilder sind scharf, präzise und haben schöne Unschärfen. Mehr muss ich nicht wissen. Ich ziehe auch beim nächsten Job gerne wieder damit los.

P.S.: Ach ja, und ein Problem haben mir die Zooms auch noch eingebrockt: ich will den wunderbaren lautlosen und schnellen Antrieb auch bei den Festbrennweiten haben! Ich bin versaut!

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__________________________Ein durchaus moralisches Angebot_________________________

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Glasklar gesagt: Ich setze diesen Link ausschließlich auf Dinge, die ich selbst ausgiebig erprobt habe und in der Praxis erfolgreich einsetze – und die ich daher von ganzem Herzen empfehlen kann. Also: viel Freude damit! 🙂

X-Pro2-Projekt (18): Philosophisches und Psychologisches

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Heute möchte ich über einige Gedanken berichten, die sich aus meiner Arbeit mit der Fujifilm X-Pro2 ergeben haben und die eher philosophischer Natur sind. Nichtsdestotrotz haben sie meines Erachtens ganz konkrete Auswirkungen auf das Fotografieren und auch auf die Bildergebnisse und haben daher auch eine hohe praktische Relevanz.

Der freundliche Fotograf

Die Bauform der Sucherkamera mit dem Sucher in der linken Ecke der Kamera wird heute meist als „Retro“-Eigenschaft hervorgehoben, eine Reminiszenz an die Sucherkameras der analogen Ära, eine Erinnerung an Leica, Zeiss und wie sie alle hießen. Wer das noch erlebt hat und vielleicht schöne Erinnerungen daran hat, freut sich auch bei der X-Pro2 (und bei XE-2 usw.) daran. Ein nostalgisches Gefühl.

Ist es nur das? Ich finde nicht. Denn die Sucherkamera hat wirkliche Vorteile. Zum Beispiel den, dass sie den Kopf des Fotografen beim Fotografieren nur ganz wenig verdecken: Das eine Auge verschwindet zwar hinter der Kamera, der Fotograf bleibt aber als Mensch und als Persönlichkeit weiterhin wahrnehmbar. Er kann sogar – wenn er das linke Auge öffnet – seine Subjekte vor der Kamera während des Fotografierens anschauen, mit ihnen kommunizieren, Kontakt halten, lächeln und beruhigende Botschaften aussenden. Fotografen der Sucherkamera-Ära haben immer wieder über dieses Phänomen berichtet und es positiv hervorgehoben. Im Falle eines kommunikationsstarken Fotografen entsteht also eine viel bessere Beziehung zwischen Fotografiertem und Fotografierendem – im Idealfall ist dort hinter – oder besser – an der Kamera ein freundlicher Fotograf zu sehen und kein bedrohlicher. Bei einer Spiegelreflex – vor allem bei den großen Boliden – sieht das gänzlich anders aus, der Fotograf wird fast vollständig verdeckt und das auf den Fotografierten gerichtete Objektiv erscheint wie eine schußbereite Waffe. Um diesen Eindruck zu mildern, bleibt dem Spiegelreflex-Fotografen nur seine Stimme – der Sucherkamera-Fotograf kann noch mindestens ein halbes Gesicht zusätzlich aufbieten. Ich glaube, dass dies ein unbestreitbarer Vorteil ist, der sich in Verbindung mit der kleineren Bauform der Kamera positiv auf die Atmosphäre beim Shooting und damit auch auf die Bildergebnisse niederschlägt.

Der souveräne Fotograf

Die zweite Beobachtung hat meine Kollegin gemacht, mir selbst ist das Phänomen gar nicht aufgefallen. Es ist nur eine Kleinigkeit, aber ich finde: eine  bemerkenswerte.

Seitdem die Fotografie digital geworden ist, ist folgender Handlungsablauf beim Fotografieren selbstverständlich geworden: Der Fotograf macht ein Probebild und schaut sich das Ergebnis anschließend auf dem Display seiner Kamera zwecks Überprüfung an. Vielleicht verändert er noch etwas am Aufbau, Ausschnitt oder am Licht – dann wieder der gleiche Vorgang: Auslösen, prüfender Blick auf das Display. Und so weiter. Irgendwann werden dann die „richtigen“ Bilder geschossen. Alle machen das so. Profis und Amateure. Anfänger und Fortgeschrittene. Es ist ein Ritual unserer fotografischen Gegenwart.

Die digitale Sucherkamera hat einen elektronischen Sucher, den man so einstellen kann, dass das gerade belichtete Foto auch dort kurz erscheint. So habe ich meinen Sucher derzeit auch eingerichtet – ich nutze momentan die kurze Bildvorschau von 0,5 Sekunden Dauer. Der Blick auf das Display entfällt meistens, denn ich habe die Wirkung meines gerade geschossenen Fotos ja bereits kurz beurteilen können. So mache ich also eine Probebelichtung, verändere noch ein Detail, setze vielleicht ein Licht anders oder arbeite an meinem Standpunkt oder an meinem Ausschnitt. Irgendwann sage ich: „Das sieht gut aus“ – ohne den sattsam prüfenden Blick auf das Display zu benötigen. Nach außen erscheint der Vorgang so, als wenn ich es einfach so wüsste, ob das Bild nun ausgestaltet ist oder nicht. Das fiel meiner Kollegin als ungewöhnlich und als cool auf. Und, ja, das ist es ja auch! 🙂

Der zukunftssichere Fotograf

Noch eine Betrachtung zur Gattungsphilosophie. In der Fotografie gab es immer wieder Paradigmenwechsel, die auf technische Neuerungen zurückzuführen waren: der Wechsel vom Großbild auf Mittelformat und später auf Kleinbild. Die Erfindung des Negativs, die eine Vergrößerung notwendig machte und die Möglichkeit von Bildausschnitten eröffnete. Der Wechsel von der zweiäugigen Kamera hin zur Sucherkamera und später zur Spiegelreflex. Manuelles Fokussieren und der Autofokus. Die digitale Revolution… Und so weiter und so fort. Diese technischen Veränderungen haben immer auch erhebliche Auswirkungen auf die inhaltlichen und gestalterischen Aspekte der Fotografie gehabt und die Ästhetik der Bilder mitbestimmt.

Bei den spiegellosen Systemkameras à la Fujifilm X-Pro2 findet gerade etwas statt, das ich die Zusammenführung von zwei großen Linien der fotografischen Apparate nennen möchte. Gehen wir kurz in die Geschichte: bis Ende der 60er Jahre waren Sucherkameras zum Beispiel in der journalistischen Fotografie weit verbreitet: sie waren unauffällig, klein, schnell und boten eine Qualität, die gut genug für eine Zeitschriften-Doppelseite war. Die Leica war damals der Inbegriff für das professionelle Werkzeug des fotografischen Berichterstatters. Dann kamen vehement die Spiegelreflexkameras auf und verdrängten die Messsucherkameras. Sie boten eine überlegene Methode, das voraussichtliche Bildergebnis anzuzeigen und sie zeigten deutliche Vorteile bei langen Brennweiten, bei denen die Messsucherkameras schnell an ihre Grenzen stießen. Der Siegeszug der Spiegelreflex war umfassend, die Sucherkameras wurden trotz ihrer unbestreitbar positiven Eigenschaften Nischenprodukte. Im Laufe der Jahrzehnte wurden die Spiegelreflexkameras immer größer und wuchtiger, eine aktuelle Canon 1Dx oder eine Nikon D5 ist ein ziemlich monströses Gerät.

Und jetzt erscheinen auf einmal die digitalen spiegellosen Kameras im Sucherkamera-Design auf dem Markt! Sie bieten den „menschlichen“ Faktor und die Unauffälligkeit ihrer kleinen Bauform. Sie bieten aber auch eine kompromisslose Bildqualität, hohe Geschwindigkeit und die Fähigkeit, das Bildergebnis schon anzuzeigen noch bevor das Foto überhaupt gemacht ist – ist ein unbestreitbarer Vorteil, der die Qualitäten des Spiegelreflex-Suchers in vielen Punkten überbietet.

Was manche lediglich als „Retro“ empfinden, ist in Wirklichkeit ausgesprochen progressiv und voller neuer Verheißungen. In der spiegellosen Systemkamera werden Konzepte und verschiedene Vorteile miteinander verschmolzen, die lange Zeit nicht vereinbar waren. Dies ist einer der Gründe, warum ich glaube, dass hier die Zukunft der Fotografie liegt.

X-Pro2-Projekt (17): Eine Woche Dauereinsatz für die X-Pro2

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Diese Story ist eine wichtige Zwischenbilanz. Sie schildert meine Erfahrungen mit der X-Pro2 nach sechs Tagen Fotoproduktion. Wir waren im Osten Deutschland – in der Lausitz. Dort waren wir für einen französischen Kunden unterwegs, der über eine sehr verteilte Konzernstruktur verfügt und dem zahlreiche Unternehmen aus den Bereichen Wasser- und Energieversorgung, Abfallwirtschaft, technische Industriedienstleistungen usw. gehören. Demzufolge vielfältig waren unsere Aufgaben und Locations: Wir haben in Versorgungsanlagen der Lebensmittelindustrie produziert, in Klär- und Wasserwerken, in Laboren, in unterirdischen Brunnenanlagen. Wir waren in einer Brauerei-Manufaktur, haben Servicefahrzeuge im Einsatz fotografiert, Außenanlagen bei gutem und schlechtem Wetter abgebildet, Hochdruckwasserspülungen mit 6000 Litern Wasserverbrauch inszeniert, Fernwärmeanlagen besucht und Imagebilder bei einem lokalen Eishockeyverein geschossen. Unsere Darsteller waren Sportler, Techniker, Ingenieure und Facharbeiter verschiedener Fachrichtungen. Wir waren in den heißen Räumen einer Fernwärmeanlage und in der eisigen Kälte eines Bierkellers. Und ich habe im Kofferraum auch noch einen Sack mit bestialisch stinkenden Klamotten liegen, die wir uns in einer Abfalltrennungsanlage eingefangen haben und die ich mich demnächst trauen muss, in die Waschmaschine zu werfen….

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Ich hatte mir fest vorgenommen, meine X-Pro2 in dieser Woche durchgängig einzusetzen – unter allen Bedingungen und bei allen Arten von Themen und Motiven. Diesem Vorhaben bin ich auch weitestgehend treu geblieben – bis auf zwei Motiv-Ausnahmen. Davon erzähle ich gleich noch.

Vorab eine positive Bemerkung: die X-Pro2 hat das alles mitgemacht. Sie schwebte in der luftigen Höhe eines 6-Meter-Stativs, sie lag im Materialkorb einer schmutzstarrenden Förderkabine in der Abfalletrennungsanlage, sie war Hitze, Kälte und Regen ausgesetzt. Sie ist in engen Schächten angeeckt und hat ihre Fähigkeit in der Remote-Fernsteuerung beweisen müssen. Sie ist noch ganz, hat ein paar Kratzer abbekommen, funktioniert aber einwandfrei und hat jede Menge gute Bilder abgeliefert. Und sie hat auch einen Tag ganz schön gestunken, bis ich sie abends dann im Hotelzimmer mit laufwarmer Seifenlauge abgewischt habe. Ich bin sehr zufrieden, wie sie sich geschlagen hat. Es hat sich aber auch einiges an Verbesserungspotenzial ergeben und ich habe ein paar Wünsche an die Entwickler, die die Kamera noch besser machen könnten.

Hier nun mein Bericht.

 

Performance / Autofokus

Dieser Themenbereich war einer meiner Hauptgründe, warum ich vor der X-Pro2 und mit der XE-2 nie daran gedacht habe, Fujifilm in der professionellen Produktion einzusetzen: die AF-Leistung erschien mir bisher  einfach als zu schwach. Das hat sich mit der X-Pro2 (und vermutlich mit den Firmware-Updates bei den anderen Kameras) definitiv erledigt. Ich habe ja HIER bereits darüber geschrieben und kann es erneut bestätigen: die Kamera spielt mit, stellt immer sauber scharf und ist in manchen Low-Light-Situationen sogar meiner Spiegelreflex überlegen: irgendwie findet sie immer eine Kante und einen Kontrast, um sicher scharfzustellen.

In einem Fall habe ich aus Performance-Gründen aber nicht die X-Pro2 genommen: hier ging es um ein Motiv, bei dem eine Gruppe von Menschen schnellen Schrittes auf die Kamera zugehen sollten. In dem Fall habe ich der Fujifilm das Vertrauen entzogen und der Canon den Vorzug gegeben. Weil die Fujifilm es nicht kann? Nein, sondern, weil ich einfach nicht wusste, ob sie es kann. Mit dem Verfolger AF habe ich bisher fast keine Erfahrungen gesammelt. Daher war ich mir unsicher, ob ich in der konkreten Aufnahmesituation die Kamera schnell genug richtig einstellen kann – und auch, ob sie es packt, natürlich. Ich glaube eigentlich, dass sie das Motiv geschafft hätte, aber ich habe die Erfahrung bisher nicht. Ich muss dass trainieren und erproben und mir eine Meinung bilden. Hierzu liefere ich in absehbarer Zeit ein Update mit echten Erfahrungswerten nach.

Und weil es hier gut dazu passt: die andere Ausnahme, bei der ich lieber die Spiegelreflex genommen habe, war ein Motiv im strahlenden Sonnenschein outdoor. Hier liefert der Sucher der DSLR einfach das informativere Bild – und der elektronische Sucher der X-Pro2 ist mir schlicht zu dunkel. Man erkennt kaum etwas, wenn es draußen richtig hell ist. Natürlich könnte ich auf den optischen Sucher umschalten – das ist aber mit einem großen Zoom-Objektiv an der Kamera ein im wahrsten Sinne des Wortes nur „halbes“ Vergnügen. Fazit: es würde gehen, aber es ist nicht optimal.

UPDATE:

(27.4.2016) So schnell fällt man ein vorschnelles Urteil. Den elektronischen Sucher habe ich bisher in der Standard-Einstellung betrieben. Man kann ihn manuell deutlich heller einstellen. Und man kann ihn auf „auto“ setzen. In beiden Fällen wird die Ansicht im Sucher bei Tageslichtsituationen so hell, dass man auch bei strahlendem Sonnenschein mühelos arbeiten kann. Also: Kommando zurück, ich habe mich geirrt. Hier gibt es praktisch keine Einschränkungen!

Energieverbrauch der X-Pro2

Wie allgemein bekannt, halten die Akkus der Kamera nicht allzu lange. Ich hatte vor Beginn der Produktion damit gerechnet, pro Tag bis zu vier Akkus zu verbrauchen und entsprechend vorgesorgt. Aber das erwies sich zumindest bei unserer Arbeitsweise als übertriebene Befürchtung. Durchschnittlich bin ich mit zwei Akkus pro Produktionstag ausgekommen. Die Kamera hatte ich auf „Option 4“ eingestellt (elektronischer Sucher schaltet sich erst ein, wenn sich das Auge dem Sucher nähert, Display auf der Kamerarückseite bleibt schwarz). Damit bin ich fast immer hingekommen, wobei ich natürlich manchmal doch das Display der Kamera als visuelle Instanz für den Bildausschnitt genutzt habe. Was ein echter Fortschritt für mich ist: der „Life View“ – Modus der Fujifilm ist um Welten besser zu nutzen als der meiner Spiegelreflex, bei dem nur eine sehr eingeschränkte AF-Performance zur Verfügung steht und die Blitze nicht zünden. Bei der Fujifilm ist die AF-Leistung in jedem Modus immer voll da. Das ermöglicht Bilder, die sonst nicht möglich wären.

Remote Kamerasteuerung der Fujifilm X-Pro2
Remote Kamerasteuerung der Fujifilm X-Pro2

 

Remote Fernsteuerung

Die einfache Inbetriebnahme der Fernsteuerung via WIFI habe ich ja schon mal positiv hervorgehoben. Wenn etwas so einfach zur Verfügung steht, nutzt man es auch: in der Woche in der Lausitz habe ich die Kamera mehrfach über ein Stativ in die Höhe gebracht und via iPad scharfgestellt und ausgelöst oder an unzugänglichen Orten positioniert und von dort aus fotografiert. Das ist eine großartige Möglichkeit, die ich auch in Zukunft ganz sicher häufiger nutzen werde. Dennoch bleiben ein paar Wünsche:

  • Die Übertragung des Kamera-Life-Bildes gerät immer wieder ins Stocken, so dass man dann 10 bis 30 Sekunden lang warten muss, ehe man wieder ein aktuelles Bild hat. Das gleiche gilt für die Auslösung, die sich teilweise um Sekunden verzögert, je nachdem, ob die Kamera gerade „online“ ist oder nicht. Hier würde ich mir eine deutlich flüssigere Übertragung wünschen.
  • Life vor Ort habe ich keine Möglichkeit gefunden, bestimmte Parameter über die App einzustellen. Wenn die Kamera zum Beispiel mit Zeitautomatik eingerichtet war, konnte ich sie via App nicht auf manuelle Nutzung umstellen. Die Kritik kommt allerdings mit Vorbehalt: kann sein, dass ich die entsprechende Funktion unter dem Druck der Produktionssituation einfach nicht gefunden habe. Ich werde mir das nochmal genauer anschauen. Meine Lösung: Kamera umstellen, App beenden und neu verbinden. Dann war sie auch in dem Modus, in dem ich sie haben wollte.

Mein Fazit hier: Vielversprechend, absolut produktiv nutzbar – aber man könnte noch ein Schippchen drauflegen. Und natürlich könnte man die Wifi-Funktionalität auch dahingehend ausbauen, dass die Kamera die produzierten JPG-Dateien kontinuierlich an ein iPad oder Laptop ausliefert, und zwar in ansprechender Geschwindigkeit. Dass das geht, haben die Mitbewerber ja schon unter Beweis gestellt. Bitte, liebes Fujifilm-Entwicklerteam, liefert hier etwas nach – Profis und alle ambitionierte Fotografen rund um den Erdball werden es Euch danken.

 

Bedienungskonzept

Dass ich das Bedienungskonzept aller Fujifilms seit der X-100 sehr liebe, habe ich ja schon mehrfach dargestellt. Ich mag es, wieder an einem richtigen Blendenring zu drehen, ich finde die Hardware-Implementierungen für Belichtungskorrektur, Belichtungszeit usw. super. Aber ich habe auch etwas zu meckern:

Das „hakelige“ ISO-Belichtungszeit-Rad ist nicht das Gelbe vom Ei. Während ich bei den anderen in Hardware ausgeführten Funktionen immer sagen würde: das ist ein erprobtes und klassisches Konzept, ist das ISO-Rad für mich nur Nostalgie. Es ist _nicht_ funktional, es ist nicht schnell, es ist nicht vorteilhaft. Es bringt einen sogar manchmal in Schwierigkeiten: Nur allzuleicht verstellt man mit der ISO auch die Belichtungszeit. Das Rad ist bei schlechtem Licht praktisch nicht ablesbar. Also muss man durch den elektronischen Sucher schauen – oder das Display hinten wieder einschalten. Alles Vorgänge, die unnötig kompliziert sind, Zeit kosten und weder intuitiv noch produktionssicher sind. Hier wünsche ich mir eine Menübasierte ISO-Einstellung über eine der Fn-Tasten und zudem die Möglichkeit, das ISO-Rad komplett zu deaktiveren.

Etwas ähnliches habe ich zum Zeiten-Rad anzumerken: Hier gibt es ja die Möglichkeit, via vorderem Drehrädchen einen Zwischenwert zum Beispiel zwischen 1/125 und 1/250 einzustellen, z.B. 1/160. Das ist gut, dass es das gibt, aber es passiert auch, dass man den Wert versehentlich verstellt. OK: kann sein, dass meine Hände das noch nicht gelernt haben. Aber auch hier könnte man an den Konzepten feilen. Für Leute, die sehr viel im rein manuellen Modus arbeiten, wäre das eine hilfreiche Option.

Der Joystick der X-Pro2 ist dagegen einfach phantastisch: Genau richtig schnell ausgelegt, steuert man mühelos die gewünschten Fokuspunkte an – ein Meilenstein in der Bedienung. Mit meiner X-E2 kann ich nach dieser Erfahrung kaum noch flüssig fotografieren. Der Joystick der X-Pro2 ist einfach super und viel besser ausgeführt als bei meiner Spiegelreflex! Sehr praxisgerecht.

 

Ein paar Hardware-Meckereien

In anderen Beiträgen habe ich es ja kurz erwähnt: der Abdecknippel für den Blitz X-Kontakt ist sofort abhanden gekommen, die Dioptrienkorrektur habe ich mit Tape fixiert und das Okulargummi hat sich wie bei vielen anderen Nutzern gelöst. Ich habe es mit Glück wiedergefunden und mit UHU fixiert. Seitdem lege ich die Kamera immer mit besonderer Sorgfalt – richtig herum – in das Fach in meinem Kamerakoffer. Bisher hat das genützt…. Hier gibt es Verbesserungspotenziale für den mitunter ruppigen Profi-Alltag.

 

Fazit

  • Die Kamera hat ihren Job ohne Wenn und Aber gemacht und ist unversehrt aus der Schlacht zurückgekehrt
  • Es gibt etwas Verbesserungspotenzial bei der Hardware und beim Bedienungskonzept
  • In den Wifi-Möglichkeiten stecken noch viele gute Möglichkeiten, die bisher nicht genutzt werden
  • Die Kamera ist „erwachsen“: leistungsfähig und belastbar
  • Das Konzept ermöglicht Aufnahmen und Umsetzungen, die mit einer DSLR nicht möglich wären
  • Es macht Freude, mit ihr zu arbeiten!
  • Wenn Fujifilm seinem Weg treu bleibt, wird die Firma im Profi-Markt der Zukunft eine nicht zu übersehende  Rolle spielen.

Darüber hinaus ist für mich eine der wichtigsten Erkenntnisse, wie lange es dauert, sich wirklich auf eine neue Kamera, eine neue Philosophie, auf andere Bedienungskonzepte usw. einzulassen, die Stärken und Schwächen zu erkennen und im Sinne einer besseren Fotografie für sich nutzbar zu machen. Ich muss bekennen: ich bin hier noch lange nicht am Ende meines Weges angekommen, sondern muss weiter üben, Wissen erwerben und Potenziale erforschen. Ich nutze die Kamera jetzt seit einigen Wochen und bin viel vertrauter, sicherer, schneller und erfolgreicher mit ihr geworden. Bis zur Meisterschaft ist es aber noch ein Stück Weg – von meiner Seite aus und auch von Seiten des Herstellers. Ich freue mich auf die nächsten Steps und werde berichten.

 

 

 

 

 

 

 

X-Pro2-Projekt (16): Camera Remote in der Praxis

Remote Kamerasteuerung der Fujifilm X-Pro2

Was mich von Anfang an sehr begeistert hat: die leichte Einrichtung der Remote Kamerasteuerung und die Tatsache, dass es ein brauchbares App für das iPad gibt: Man kann die Fujifilm X-Pro2 damit ganz leicht fernsteuern, die Kamera einstellen und damit Bilder produzieren, die sonst nicht möglich wären.

Bisher war das Theorie. Seit heute ist es gelebte Praxis. Heute waren wir bei einem Job in Brandenburg und haben in einem Brunnen fotografiert, von dem aus eine  industrielle Anlage mit Rohwasser versorgt wird: ein sehr kleiner, enger Raum unter der Erde. Über eine Leiter begibt man sich in die Katakomben. Und wie hier ein Bild umsetzen? Mit einem Ultra-Extrem-Weitwinkel? Oder indem ich mich in den Boden eingrabe? Gut, dann also, indem ich die Kamera auf einem Bodenstativ befestige, mit der Fujfilm Remote App den Ausschnitt finde, die Kamera einstelle, scharfstelle und auslöse….

Es ist immer spannend, so etwas zum ersten Mal live und beim Kunden zu machen – eine ganz andere Situation als gemütlich zu Hause im Atelier. Und dann zeigt sich halt oft auch, inwieweit Software intuitiv und Hardware funktional zu bedienen ist. Tatsache ist: es hat auf Anhieb geklappt, die Übertragung war stabil, und die Bilder waren scharf…. 🙂

Das eigentliche Foto kann ich an dieser Stelle noch nicht zeigen, dafür aber ein making of: Selbstportrait des Fotografen beim Einrichten der Kamera und des Lichts! Man merkt durchaus die Anspannung, man sieht aber auch, dass es funktioniert hat.

Das gefällt mir!

Skeptischer Blick? Wird es funktionieren? Es hat funktioniert! :-)
Skeptischer Blick? Wird es funktionieren? Es hat funktioniert! 🙂

X-Pro2-Projekt (15): Der Ernst des Lebens

Canon+Fujifilm

Als ich mich vor einigen Jahren entschlossen habe, eine Canon 1Dx als neue Hauptkamera zu erwerben, stand ich vor der Entscheidung: welche meiner beiden anderen Canons soll die Backup-Kamera werden? Zur Debatte standen die 1Ds II und die 1 Ds III. Damals habe ich mich zugunsten der 1Ds II entschieden und die Mark III verkauft.

Technisch und betriebswirtschaftlich sicherlich eine gute Entscheidung, denn die 1Dx hat mich nie im Stich gelassen und ein beginnendes Verschlussproblem wurde so rechtzeitig erkannt, dass die Kamera ohne Ausfall repariert werden konnte.

Vor ein paar Tagen habe ich einen größeren Job alleine fotografiert und – wie in solchen Fällen üblich – meine 1Ds II aus dem Geräteschrank genommen und eingepackt. Frischer Akku rein, Kamera einschalten – Plöng! – merkwürdiges Geräusch und „Error 99“. Das sieht nicht gut aus und ließ sich auch mit dem üblichen Trick „Akku raus, nochmal probieren“ nicht kurieren. Also ist eigentlich eine Reparatur fällig.

Hm. Wirklich? Schließlich liegt ja auch seit einigen Wochen eine brandneue und inzwischen bewährte Fujifilm X-Pro2 im Koffer, die ich derzeit sogar fast ausschließlich bei Produktionen nutze. Bisher in so einer Art sportlichen Herausforderung – eine Experience, ein Test: ist das aktuelle Spitzenmodell von Fujifilm reif für die Produktion? Meine bisherige Antwortet lautet „klar: Ja“.

Also habe ich mich gegen die Reparatur des alten Hündchens (oder gegen einen Ersatz) entschieden und meine Fujifilm X-Pro2 in einem feierlichen Akt zum „offiziellen Mitglied im Produktionsteam“ ernannt. Im Falle des Falles muss eine der beiden Kameras also die Produktion schmeißen, wenn die jeweils andere ausfallen sollte…. 🙂

Was hoffentlich auch weiterhin nicht geschieht.

Die beiden verstehen sich inzwischen übrigens ganz gut.

X-Pro2-Projekt (14): Kleine Modifikationen

In Wirklichkeit fallen die Klebestellen bei weitem nicht so auf wie in dieser Nahaufnahme.... die Schönheit bleibt!

Die praktische Erprobung der Fujifilm X-Pro2 schreitet voran. Nachdem ich eine erste Produktion in einer Reparaturwerkstatt für industrielle Großmotoren absolviert hatte, gab es weitere Einsätze: zuerst auf einer Brücken-Baustelle der Strabag, anschließend ein Tag in der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meißen, wo wir für den Deutschen Industrie- und Handelskammertag die Berufsbilder Porzellanmalerinnen und Industriekeramiker fotografiert haben. Also durchaus unterschiedliche Einsatzgebiete: große Industriehalle, Outdoor-Herausforderungen im Regen und Matsch, dann lichte Ateliers und staubige Keramikerwerkstätten.

Die Kamera hat sich bisher in allen Belangen gut geschlagen; nur der Fotograf ist ab und zu an seine Grenzen gestoßen und hat feststellen müssen, dass er die Kamera noch nicht völlig beherrscht. Wenn mitten in der Produktion alle Bilder auf einmal völlig grünstichig wirken und der Weißabgleich nicht eingestellt werden kann: OK, man kommt dann erst in einer Ruhepause auf die Lösung und schaltet von „Erweiterten Filtern“ wieder auf „Einzelbild“. Und ähnliches mehr. Einmal habe ich sogar geschafft, nur JPG zu belichten und musste hitzewallend auf die RAWs verzichten – zum Glück ohne schlimmen Folgen, die Bilder waren alle gut belichtet…. 🙂

Gewohnheit, Training, in Fleisch und Blut übergegangene Routinen: das ist ein nicht zu unterschätzender Faktor. 10 Jahre Produktionspraxis mit den verschiedenen Modellen einer Spiegelreflex-Marke graben sich tief ein. Die wenigen Wochen bisher mit der X-Pro2 waren sehr erfreulich – aber die völlig selbstverständliche Griffsicherheit, traumwandlerische Beherrschung und blinde Vertrautheit habe ich einfach noch nicht erworben: meine Finger lernen noch. Ich bleibe dran, in der kommenden Wochen sind wir jeden Tag in einem anderen Sujet unterwegs, produzieren Berufsbilder, Werbefotografie und Corporate – gute Gelegenheiten, weiter zu lernen!

Wie auch immer: meine bisherigen Erfahrungen sorgten dennoch für ein paar Modifikationen, die ich an der Kamera vorgenommen habe. Das Mittel der Wahl: Tesa-Band. Ich schätze dieses universelle Zeug sehr, klebt wie die Hölle, lässt sich leicht mit der Hand abreißen und auch wieder rückstandsfrei entfernen. Für die nachfolgenden Modifikationen habe ich mir extra eine schwarze Rolle besorgt, um die Ästhetik der X-Pro2 nicht allzusehr zu beleidigen:

In Wirklichkeit fallen die Klebestellen bei weitem nicht so auf wie in dieser Nahaufnahme.... die Schönheit bleibt!
In Wirklichkeit fallen die Klebestellen bei weitem nicht so auf wie in dieser Nahaufnahme…. die Schönheit bleibt!

Modifikation No.1:
Das Einstellrädchen für den Dioptrienausgleich am Sucher ist zwar angemessen schwergängig, verstellt sich aber dennoch manchmal, zum Beispiel im Getümmel eines Events, wenn man die Kamera auf die Schulter nimmt und sich irgendwo durchdrängelt. Gerade in solchen Situationen ist das Wiederherstellen der gewünschten Einstellung etwas tricky und hindert einen nur an seiner eigentlichen Arbeit. Das Tesa-Band fixiert zuverlässig!

Modifikation No.2:
Den kleinen Dichtungsnippel für den Blitz-X-Kontakt habe ich nur einmal entfernt, um etwas auszuprobieren. Mir war klar, dass das kleine Kunststoffteil sehr leicht verloren geht, also habe ich es ganz sorgfältig im Münzenfach meines Portemonnaies verstaut. Als ich wieder nachgeschaut habe, war es natürlich nicht mehr da. OK, ist nicht so schlimm. Aber den offenen elektrischen Kontakt wollte ich auch nicht so lassen, zumal oben beschriebenes Outdoor-Abenteuer anstand. Also: Tesa-Band schließt wasserdicht!

Modifikation No.3:
Eine klare Fehlbedienung ist mir mit dem 10-24mm unterlaufen: Mitten im Fotografieren konnte ich auf einmal nicht mehr die Blende verstellen. Man wird dann schnell nervös, hat keine Zeit, in Ruhe nachzudenken und will einfach weiter machen. In der fraglichen Situation habe ich einfach das Zoom gewechselt – ich war ohnehin bei äquivalent 24 mm unterwegs, also ging es auch mit dem 16-55. Erst in einer Fotografierpause habe ich dann festgestellt, dass ich das 10-24 versehentlich auf Blendenautomatik geschaltet habe. Die brauche ich in meiner Praxis eigentlich nie. Erneut also: Tesa-Band drüber!

 

 

X-Pro2-Projekt (13): Gedanken zum Wetterschutz (Update)

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Also, die Fujifilm X-Pro2 hat jetzt auch den Wetterschutz. Wow, das ist ein wirklich professionelles Feature und stellt sie in eine Reihe mit den große Profi-Boliden von C und N und macht das Ding so richtig cool. Oder? Eigentlich hat mich das Feature bisher eher kalt gelassen, ich bin weder Natur- noch Fußballfotograf und begebe mich normalerweise ins Trockene, wenn es regnet. Aber schön. Nice to have, oder?

Heute war ich am Bahnhof, um mir eine nette (Foto-)Zeitschrift zu besorgen. Natürlich war die X-Pro2 dabei. Und natürlich habe ich noch eine kleine Runde gedreht. Ich bin einfach heiß auf die Kamera im Moment. Da nutze ich jede Gelegenheit.

Am Bahnhof ist der Dom. Also bin ich eine Runde über die Domplatte gegangen. Manchmal verändert sich die Welt unmittelbar, ohne Vorwarnung. Weather changed. Von einem Moment auf den nächsten war es vorbei mit dem grauen vor-frühlingshaften Ostermontag. Ruckzuck hatten wir Starkwind – ich schätze in Böen Windstärke 8 – und prasselnden Regen, garniert mit etwas Hagel. Auf der Domplatte pfeift es besonders heftig, da können die Winde ungehindert durchpusten. Klar, dass ich auch fotografiert habe. Klar, dass die Kamera nass geworden ist. Wetterschutz? Ist ja doch irgendwie nützlich!

Ich erinnere mich an mein 35/1.4. Das hat keinen Wetterschutz. Ich hatte es einmal am Strand dabei, und seitdem knirscht der manuelle Fokus.

Ich denke an unsere Assignements in der Industrie. Da staubt und feuchtet es auch immer wieder mal sehr ordentlich. Wetterschutz? Coole Sache.

Denke ich an heute zurück, bin ich zudem sehr froh, dass ich den blanken X-Kontakt an der Seite mit etwas Gaffer abgeklebt habe. Den Dichtungsnippel habe ich schon beim ersten Mal verloren. Wäre blöd gewesen, wenn der jetzt dem Hagel ausgesetzt gewesen wäre…. (kleiner Verbesserungsvorschlag für künftige Modelle! :-))

Weather-Sealed

– – – – – – – – –

Update: 1. April 2016 (kein Aprilscherz):

Tja, so schnell holt einen die Realität ein!

Vorgestern haben wir bei der Strabag AG das Berufsbild des Tiefbauers auf einer realen Baustelle fotografiert. Das war ein toller Tag mit richtig coolen Jungs. „Ehrliche Arbeit“ ist keine Plattitüde. Das gibt es wirklich.

Die Wettervorhersage war eigentlich gar nicht so schlecht: trocken, gelegentlicher Sonnenstrahl. Die Realität sah natürlich anders aus, und es hat fast den ganzen Tag geregnet. Der Wetterschutz der X-Pro2 war erneut gefordert:

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Kleine Erläuterung: Die Plastiktüte habe ich nicht um die Kamera gewickelt, sondern um die Funkauslöser. Bei der Kamera hatte ich Vertrauen, aber bei den Sendern war ich mir nicht so sicher….

Morgen werde ich mal mit einem großen Schwamm und viel laufwarmem Wasser unsere Koffer, Schuhe + Klamotten reinigen: alles voller Matsch und Schlamm. Die Kamera funktioniert weiterhin einwandfrei.

Weather sealed: nehme ich!

Wetterschutz_Tiefbaufacharbeiter_AHC-8068

X-Pro2-Projekt (12): Handgriff OR NOT Handgriff?

X-PRO2_DSF7340

Ihr merkt schon, ich bin momentan geradezu WILD auf die X-Pro2 und auf weitere Erfahrungen mit diesem geilen Stück Technik. Seit zwei Tagen habe ich nun testweise auch den Handgriff zur Verfügung. Der MHG-XPro2 wird ganz einfach unter die Kamera geschraubt und passt sich perfekt an die Gehäuseform an. Was macht er? Er macht die Kamera ungefähr einen Zentimeter „höher“ und bietet auf der Frontseite einen ausgeprägteren Handgriff-Wulst. Um den Batteriewechsel unproblematisch zu machen, hat er an der Unterseite eine Aussparung, so dass sich das Batteriefach nach wie vor leicht öffnen lässt. Auch das seitliche Fach für den Zugriff auf die Speicherkarten ist weiterhin problemlos zugänglich. Zudem scheint es eine Vorbereitung für Arcam Swiss Schnellwechselplatten zu geben (betrifft mich nicht; ich bin bei Novoflex). Und das war es.

War’s das? Für mich nicht. Der Handgriff ist für mich schon nach wenigen Stunden Gebrauch eine CONDITIO SINE QUA NON geworden. Ohne ihn geht’s nicht mehr. Der Handgriff verändert die Kamera. OHNE Handgriff ist sie: ein geiles Stück Technik, das sich wie ein angenehmes Brikett in die Hand fügt. MIT Handgriff ist sie ein fast perfekter Handschmeichler. Hat schon fast Colani-Qualitäten (ja, ja, vielgescholten, ich weiß). Und die Kamera ist auch mit Handgriff nur ein Leichtgewicht.

Es ist eigenartig. Zu Zeiten der XE-1 und XE-2 konnte mir die Kamera nicht klein genug sein. Ich habe es eigentlich bedauert, dass die XE-2 + Pancake 27mm nicht die gleichen Maße hatte wie die Ur-X-100, die problemlos in eine Hemdtasche passte.

Seit der X-Pro2 und ihrem Einsatzgebiet in der professionellen Fotografie sehe ich die Sache ein bißchen anders. Der größere Formfaktor wirkt auf mich positiv, vor allem, weil ich ja jetzt auch mit den zum Teil doch recht voluminösen Zooms arbeite. Das packt sich besser an, das wirkt auch ganz anders im professionellen Kontext. Und trotzdem – ich wiederhole es gerne – Die X-Pro2 + lichtstarkem Normalzoom wiegt weniger als die Hälfte als mein Spiegelreflex-Pendant.

Heute habe ich das wunderbar sonnige Osterwetter für einen kleinen Fotospaziergang genutzt. Natürlich mit der X-Pro2. Und natürlich MIT Handgriff. Und natürlich in einem Gewerbegebiet. Ist doch klar, ich weiß, wo ich hingehöre. Das hat sich einfach gut angefühlt. Ich werde das Teil nicht mehr abschrauben.

P.S.: Um Missverständnissen vorzubeugen: die runde Schraube unterhalb des Handgriffs ist nicht von Fujifilm, sondern von Novoflex. Es handelt sich um das MiniConnect-System, das ich seit vielen Jahren als Schnellwechselplatten-System nutze und bei mir unter jede Kamera gehört.

Corporate Velden

 

X-Pro2-Projekt (11): Do the Job!

Corporate

Gestern war es endgültig soweit: ich hatte mir fest vorgenommen, die X-Pro2 bei einer Fotoproduktion als Hauptkamera einzusetzen. Geplant war ein halber Tag, es stand eine Bildproduktion in einem Unternehmen an, das sich mit Reparatur, Wartung und Neuaufbau von industriellen Großmotoren befasst. Wir hatten bereits zwei volle Tage dort fotografiert, gestern sollten dann noch einige fehlende Motive ergänzt werden.

Obwohl ich in den letzten Tagen und Wochen die Kamera praktisch jeden Tag in den Händen hatte und sie bei zwei Fotoproduktionen auch schon mal versuchsweise bzw. als making-of-Kamera eingesetzt hatte: Die Aussicht, mit der neuen Hardware den Job vollgültig zu fotografieren, machte mich durchaus nervös. Bei einer kommerziellen Fotoproduktion gilt: es darf unter keinen Umständen irgendetwas schief gehen. Die Bilder müssen gut werden, sie müssen scharf sein, es müssen alle Daten zuverlässig gespeichert werden usw. usf. Mein Anspruch: ich liefere immer und ich liefere immer zur vollsten Zufriedenheit meines Kunden. Entschuldigungen – Gründe – Ausreden (oder was auch immer) will ich einfach nie nachträglich dem Kunden gegenüber kommunizieren müssen. Die Leistung muss stimmen, und der Fotograf ist ein Problemlöser und kein Problemmacher! 🙂

Daher hat jeder Fotograf, denke ich, ein ausgeprägtes Sicherheitsdenken. Er setzt auf bewährte Technik, vielfach erprobte Kameraeinstellungen, Qualitätsprodukte, doppelte Absicherungen u.ä. Bewegt man sich mit neuen Geräten, neuen Einstellungen oder Workflows außerhalb der Komfortzone, macht das unruhig. So erging es mir dann auch: In der Nacht davor habe ich sogar davon geträumt, wie ich mit der neuen Kamera agiere. Soweit ich mich erinnere, ging aber doch alles gut….

Also: ich wollte es jetzt wissen, und da beim gestrigen Kundenprojekt entspanntes Arbeiten ohne großen Zeitdruck möglich war, war es genau die richtige Produktion für mein Wagnis.

Vorbereitungen

Die Kamera hatte ich mit einer 64 GB-Karte von Sandisk und einer 32 GB WiFi-Karte von Transcent bestückt. 32 GB reichen normalerweise völlig aus, auch wenn man, wie ich, RAW und JPG parallel aufzeichnet. Um meinem Sicherheitsbedürfnis Genüge zu tun, war die Datenaufzeichnung als „Backup“ eingerichtet, d.h. JPG und RAW-Dateien werden parallel auf beide Karten kopiert. Bei den JPG-Einstellungen hatte ich mich für die 12 Megapixel-Größe („M“) entschieden, bei stärkerer Kompression (Bildqualität „N“). Mit dieser Einstellung sendet die Transcent Karte zwar durchaus gemächlich, aber wie ich hoffte, dennoch in praktikabler Geschwindigkeit an das iPad. Auch in dieser Konfiguration liegt ein Sicherheitsversprechen für mich: die JPG auf dem iPad stellen eine weitere Kopie dar, und die 12 MP sind so groß, dass sie im Ernstfall genutzt werden könnten. Man weiß ja nie – nur für den Fall, dass sich die Kamera nach der Produktion selbst zerstört, von Alpha-Strahlen aus dem Weltall getroffen wird oder von Fuji-begeisterten Gangstern gestohlen wird…

Wie ich die Fn-Tastenbelegungen gelöst habe, habe ich ja bereits ausführlich in einem eigenen Blogbeitrag beschrieben.

Ein wichtiger Punkt war für mich noch die Einstellung von Sucher/Display. Da es zu meinen festen Gewohnheiten gehört, alle Bilder kontinuierlich auf das iPad zu streamen, muss die Kamera während der Fotoproduktion praktisch immer laufen. Ich hatte mir daher vorgenommen den View Modus auf „Nur Bildsucher + Augensensor“ einzustellen. D.h. die Kamera liefert nur dann ein elektronisches Bild, wenn das Auge auch am Sucher ist. Da ich im Vorfeld so einiges gelesen habe über den Energiehunger der X-Pro2 bzw. über die Laufzeit des Akkus schien mir dies die energieschonendste Einstellung zu sein. Auf die „Hochleistung“ der Kamera (einstellbar unter „Power-Management“) wollte ich zudem nicht verzichten.

Ernstfall

OK, wir sind also vor Ort, haben die Sicherheitsleute erfolgreich passiert, den Kunden aufgesucht und die erste Location vereinbart. Hier ging es um Reparaturarbeiten an einem sehr großen Motor, der mit neuen Bauteilen bestückt wurde. Es war schon ein komisches Gefühl, eine so „kleine Kamera“ bei einem Job in die Hand zu nehmen… Es hat sich aber niemand beschwert, die Autorität des Fotografen war jedenfalls zu keinem Zeitpunkt in Gefahr…. 🙂

Foto: Joshua Hoffmann
Foto: Joshua Hoffmann

Also: das iPad anwerfen, die Verbindung zur Wifi-Karte aufbauen (das WLAN-Modul der Kamera kann ja leider (noch) nicht permanent Bilder streamen), einen ersten Entwurf vom Lichtsetting aufstellen und eintesten. Alles nach bewährtem Ablauf. Irgendwann ist es dann soweit, und die ersten „richtigen“ Bilder werden geschossen. In dem Fall mit dem Weitwinkel 10-24mm und einem aufwändigen Lichtsetup, bestehend aus 3 Handblitzen, einer LED-Lichterkette und einem der „großen“ Blitze, die mit ungefähr 400 Wattsekunden in den Hallenhintergrund ballerten und dort einen schönen Farbton etablierten (siehe erstes Bild in der untenstehenden Galerie).

Foto: Joshua Hoffmann
Foto: Joshua Hoffmann

Das alles ging völlig problemlos: die Kamera stellte zuverlässig scharf, die JPG sahen auch bei 2000 bis 2500 ISO noch sehr gut aus, meine neuen Sender und Blitze arbeiteten alle einwandfrei und zuverlässig – obwohl Canon-spezifiziert funktionierten sie nach den hier beschriebenen Modifikationen auch an der Fujifilm ohne Klagen. Große Erkenntnis dieser ersten Stunde: man kann mit der X-Pro2 fotografieren! Wow! Auch als Profi, auch im Produktionsalltag, auch unter Lieferbedingungen! Geht ganz leicht – und wiegt viel weniger.

Foto: Joshua Hoffmann
Foto: Joshua Hoffmann

Ermutigt durch diesen ersten Erfolg bin ich dann einfach dabei geblieben und habe alle Motive des Tages mit der Fujifilm X-Pro2 erfolgreich und mit guten Ergebnissen fotografiert.

Also alles super und easy und no problem? Vielleicht doch nicht ganz. Nachfolgend komprimiert zusammengefasst Beobachtungen, Bedienungsfehler und Bewertungen aus diesem Tag:

  • Was meine ursprünglich größte Sorge war, ist keine mehr: die AF-Performance ist wirklich ausgezeichnet und für meine Art der Fotografie mehr als angemessen – ich hatte praktisch keine Fehlfokussierungen, außer bei 2-3 Bildern, aber da habe ich schlicht und ergreifend daneben geschossen. Ein herausragendes Ergebnis
  • Produktionsbeginn war um 9.00 Uhr. Um halb zehn haben wir vielleicht das erste Foto gemacht. Um 14.30 Uhr hatte ich schon den dritten Akku in der Kamera. Oha. Das ist eine Umstellung gegenüber der Spiegelreflex, da kann ich mit einem Akku zwei Tage durchfotografieren.
  • Sehr genossen habe ich die Möglichkeit, in allen relevanten Bereichen des Bildausschnittes einen Fokuspunkt setzen zu können. Das ist einfach wunderbar entspannend. Mir ist zwar bekannt, dass in den äußeren Bereichen die Performance nicht so hoch ist wie im Zentrum, aber „gefühlt“ habe ich den Unterschied nicht.
  • Mindestens einmal ist es mir passiert, dass ich den elektronischen Sucher entgegen meiner Absicht so eingestellt habe, dass er kontinuierlich durchlief, auch wenn ich die Kamera nicht am Auge hatte. Klarer Bedienungsfehler meinerseits, der aber eine Menge Energie gekostet haben dürfte. Die Kamera wurde zudem sehr warm. Etwas, worauf ich in Zukunft sehr genau achten werde.
  • Die etwas hakelige ISO-Einstellung „am Rad“ hat mich in der Praxis kaum gestört. Was mir aber einige Male passiert ist, war das versehentliche Umstellen der Belichtungszeit. Dabei habe ich, glaube ich, nicht das Zeitenrad gedreht, sondern bin vermutlich irgendwie an das Einstellrädchen gekommen, mit dessen Hilfe man die Zeiten fein-einstellen kann. Wie auch immer: hin und wieder tauchten dann auf einmal Auslösezeiten von 1/320 auf, was beim Arbeiten mit Blitz uncool ist. Hier müssen meine Hände noch etwas lernen und achtsamer auf der Kamera werden, um diese Fehlerquelle in Zukunft zu vermeiden.

Soweit erstmal meine Beobachtungen vom ersten richtigen Einsatz. Mein Fazit: meine Achtung vor der Kamera ist weiter gestiegen, ich habe mit richtig Spaß und Freude damit einen ersten Job erfolgreich umgesetzt. Cool ist die „Leichtigkeit des Fotografierens“, die sich für mich derzeit besonders im geringen Gewicht der Hardware und im genialen Sucher mit all den vielen schönen Fokusfeldern ausdrückt. Ich freue mich schon auf kommende Woche und auf die anstehenden Jobs. In Bebra werden wir die Ausbildung bei der Fa. Strabag fotografieren und in der Porzellanmanufaktur Meißen Berufsbilder mit Azubis umsetzen, die dort außergewöhnliche und seltene Berufe erlernen. Die Fujifilm X-Pro2 wird dabei sein.

Konfigurationen: Meine Fn-Tasten-Belegungen bei der X-Pro2

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So langsam ist das Trainingscamp für mich und die X-Pro2 abgeschlossen: die Kamera ist weitgehend verstanden, die Integration in unsere Peripherie wie Licht und Datenhandling ist erstmal abgeschlossen und zumindest im Atelier erprobt – und die Kamera ist auch erstmal so konfiguriert, wie ich glaube, damit auch wirklich arbeiten zu wollen und zu können. Ein wichtiger Punkt dabei: die Fn-Tasten-Belegungen. Ich will in diesem Beitrag kurz darstellen, welche der konfigurierbaren Tasten welche Belegung bekommen haben – und warum.

  • Fn 1: Fangen wir mit der prominenten Taste rechts neben dem Auslöser an. Standardmäßig liegt hier die Videofunktion. Das habe ich geändert, weil ich einfach zu oft versehentlich auf diesen Knopf gekommen bin und mich gewundert habe, warum die Kamera blockiert war. Auf Fn 1 liegt jetzt der Weißabgleich. Das ist eine wichtige Taste für uns, weil wir im industriellen Kontext häufig mit abenteuerlichen Mischlichtsituationen zu tun haben und den Weißabgleich oft verändern, um im Zusammenhang mit Blitzlicht (oder gefiltertem Blitzlicht) besondere Effekte zu erzielen. In Hallen mit Neonlampen gehört es zum Beispiel zu unserer Routine, vor Beginn einer Produktion die Qualität des vorhandenen Lichts zu testen, indem wir eine Probebelichtung bei Tageslicht-Einstellung machen. Dann sehen wir sofort, ob das vorhandene Neonlicht einen Braun- oder Grünstich hat und können Strategien entwickeln, wie wir damit am besten umgehen oder diese Eigenschaft für uns nutzen können. Cool bei der Fujifilm: man sieht schon in der Belichtungsvorschau wie die Farben bei einem definierten Weißabgleich wirken und spart sich so die Probebelichtung. So etwas geht mit meiner Spiegelreflex nicht! Philosophische Frage am Rande: bei den modernen Spiegellosen sieht man das Bild schon, BEVOR man es gemacht hat! Was wird wohl der nächste Schritt sein? 🙂
  • Fn 2 – Taste auf Sucherauswahlhebel: Hierhin habe ich die Videofunktion gelegt. Die ist da ganz gut erreichbar, ist aber gegen versehentliches Starten gut geschützt. Video nutze ich vor allem zum Drehen von Making-of-Sequenzen. In diesem Jahr werden wir so viele coole Produktionen machen, da hoffe ich auf starke Szenen on locationen, aus denen unser Video-Partner Gert Wagner dann hoffentlich einen schönen neuen Image-Film über uns gestalten kann.
  • Fn 3 – Messtaste: Hierfür habe ich noch keine sinnvolle neue Belegung gefunden und lasse es erstmal beim Standard, auch wenn ich den nicht nutze.
  • Fn 4 – Linke Auswahltaste im Steuerkreuz: Hierhin habe ich die Wahlmöglichkeit „Belichtungsvorschau an“ bzw. „aus“ gelegt. So sehr ich die Vorschau beim Available-Light-Fotografieren oder beim Nutzen von Dauerlicht schätze, so sehr ist sie ein Problem, wenn man mit Blitzanlagen arbeitet. Dann erscheint das Bild ggf. stark unterbelichtet, das bildwirksame Licht kommt dann ja aus anderen Quellen. In solchen Fällen brauche ich einfach ein normal durchgezeichnetes Sucherbild zum Scharfstellen und Komponieren. Fn2 ist dafür für mich genau richtig.
  • Fn 5 – Untere Auswahltaste im Steuerkreuz: Derzeit belegt mit dem Befehl zum Aufbau einer WiFi-Verbindung zum Tablet. Hier hoffe ich in naher Zukunft auf viele interessante Situationen, in der ich die Kamera ferngesteuert auslösen kann. Die Remote-App funktioniert zumindest unter Laborbedigungen sehr gut – ich hoffe, auch in der Praxis. Das will ich schon bald erproben.
  • Fn 6 – Rechte Auswahltaste: Hier habe ich die Einstellungen zur Gesichtserkennung hingelegt. Das ist aber erstmal nur eine theoretische Wahl. Ich kann mir vorstellen, diese Funktion in Zukunft häufiger zu nutzen, aber derzeit fehlt es mir gänzlich an praktischen Erfahrungen und ich kann noch nicht einschätzen, wie sinnvoll oder zeitsparend das sein wird. Die Belegung steht also potenziell zur Disposition.

Soweit die graue Theorie. Das Aufschreiben hat mir nochmal geholfen, etwas mehr zu verinnerlichen, auf welcher Taste nun was liegt. Denn morgen gilt es: in einem coolen Industrieumfeld will ich die X-Pro2 erstmals richtig fordern und als Hauptkamera einsetzen. Ich bin gespannt, wie sie sich schlagen wird. Und ich bin noch mehr gespannt, wie ich selbst mich schlagen werde und wie souverän der Einsatz der neuen Technik gelingen wird. Darüber berichte ich gerne demnächst hier und in diesem Theater.

X-Pro2-Projekt (9): In die Familie aufgenommen

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Nur der Form und der Vollständigkeit halber: die X-Pro2 ist endgültig im Kreise ihrer neuen Lieben angekommen und aufgenommen. Sie und die tollen Objektive gehen jetzt bei jedem Shoot mit und werden immer (öfter) auch eingesetzt werden. OK, die „Große“ und die „Kleine“ hatten ein paar Eifersüchteleien untereinander und mussten sich erstmal arrangieren. Aber jetzt wissen beide, dass sie sich gut benehmen müssen, wenn ich sie weiter lieb haben soll…. Das wird schon. Am Wochenende ist großes Taschenpacken angesagt: alles muss nochmal auf den Prüfstand, manches optimiert werden. Die Umstellungen im Blitzsystem (siehe Beitrag Nr. 8) erfordern gewisse Umstrukturierungen. Und ich habe drei neue Blitze! Und neue Trigger! Das wird herausfordernd werden – und Spaß machen. Schönes Wochenende!

X-Pro2-Projekt (8): Integration ins Blitzsystem

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Nachdem ich so positive Erfahrungen mit dem AF der Kamera gemacht habe, ist mein Ehrgeiz um so mehr geweckt, die Fujifilm X-Pro2 vollständig in meine Arbeit zu integrieren: ohne Wenn und Aber und ohne faule Kompromisse. So, dass ich jederzeit frei entscheiden kann, zu welcher Kamera ich greifen will – und dann einfach loslegen kann. Da Licht für uns ein extrem wichtiges fotografisches Thema ist, heißt das: nun steht die Integration der Kamera in unsere Licht-Systeme an!

Wie ich HIER ja bereits beschrieben habe: da gab es erstmal Probleme. Doch der Übeltäter war schnell ausgemacht. Aber die vollständige, integrierte Lösung stand noch aus. Die ist jetzt gefunden.

Vorab noch eine Bemerkung am Rande: es ist faszinierend, wie die Integration der neuen Kamera in unsere bestehenden Workflows dazu führt, alte Zöpfe abzuschneiden, neue Lösungen ins Auge zu fassen und Bewährtes in Frage zu stellen. Ein wirklich cooler Effekt, der einen sozusagen aus seinen Gewohnheiten aufscheucht und neue Wege gehen lässt – am Ende mit deutlichen Verbesserungen und mehr Möglichkeiten.

Gut. Nun aber zum eigentlichen Thema: wie kriege ich die Fujifilm X-Pro2 so in unsere Arbeit integriert, dass sie genauso problemlos mit unserer Lichttechnik zusammen arbeitet wie die Spiegelreflexkameras?

Dazu erstmal eine kurze Skizze, wie wir arbeiten: Wir nutzen Blitzsysteme von mehreren Herstellern:

  • Elinchrom (Ranger Quadra, Ranger RX)
  • Photarex / NicePhoto PHOTAREX HSS-600
  • Yongnuo Systemblitze (YN 560 II, III und IV)
  • Canon Systemblitze (550, 580, 580 II)

Blitzintegration_Fujifilm_X-Pro2_3(Und ja: man kann mit diesen zum Teil sehr preiswerten Geräten professionell arbeiten. Die Yongnuos sind einfach phantastisch, und die Photarex-Akku-Blitze mit Saft haben nur den einzigen Nachteil, dass sie bei hoher Leistung ein bißchen zu lang zum Nachladen brauchen; aber damit kann ich umgehen und mich darauf einstellen).

Bisher haben wir die Elichroms und die Systemblitze mit Pocket Wizards ausgelöst (Plus II und FlexTT5). Und wenn wir die kleinen Blitze mit den Photarexen gemeinsam eingesetzt haben, haben wir die Auslöser einfach „huckepack“ genommen und auf die Kamera aufgesteckt. Das funktionierte soweit gut – bewährte Praxis mit der Spiegelreflex.

Mit der Fujifilm X-Pro2 funktionierte das erstmal nicht. Und der Grund liegt darin, dass sowohl die FlexTT5 als auch er Photarex-Funkauslöser eine herstellerspezifische Belegung der Pins am Blitzfuß haben: sie lösen also nicht über den einfachen Mittenkontakt aus, sondern nutzen alle 5 eTTL-Kontakte meines Spiegelreflexsystems. Die Pocket Wizards, weil sie eTTL-fähig sind, und die Photarex, weil sie Teile des eTTL-Protokolls nutzen und darüber HySync-Fähigkeiten bereitstellen. Letzteres ist eine Funktion, die wir nur ganz selten nutzen – wenn wir z.B. Outdoor blitzen wollen und gleichzeitig Verschlusszeiten von kürzer als 1/250 brauchen.

Steckt man die e-TTL-Kontakte auf die X-Pro2, funktioniert zwar alles erstmal. Aber: die Kamera erhitzt sich schnell und schaltet irgendwann ab. Wie mir Fujifilm erklärt hat, nutzt die Kamera die gleichen Kontakte wie mein Spiegelreflexhersteller, aber natürlich mit einem anderen Protokoll. An den Kontakten liegen also auf einmal Informationen an, mit denen die Fujifilm nichts anfangen kann, der Prozessor wird sozusagen mit unverständlichen Befehlen bombardiert, versucht diese zu verstehen, kann sie nicht verstehen und droht zu überhitzen. Das ist für kontinuerliches Arbeiten nicht sehr förderlich. Es muss also eine Lösung her.

So, und jetzt verkompliziert sich die Lage noch einmal, bzw. es kommen zusätzliche Aspekte dazu: Bei einem Auftrag in der vergangenen Woche hatten wir wieder mal massive Probleme mit den Pocket Wizards. Wir haben in einer großen Industriehalle fotografiert, in der sehr viel Stahl herumsteht. In solchen Konstellationen bricht die ansonsten gute Leistung der Funksender und -Empfänger oft zusammen, die Auslösungen sind nicht mehr zuverlässig, selbst bei Sichtkontakt funktioniert die Übertragung nicht mehr usw. An einem Tag hatten wir so viele Probleme damit, dass wir echt genervt waren. Daher probierte ich etwas Neues: Die Yongnuo-Blitze YN-580 III und IV haben einen integrierten Funkempfänger, was eigentlich ganz schön ist. Und auch einen Funksender, den ich sogar besitze, aber nur aus Neugierde mal angeschafft hatte und ansonsten in der Schublade liegen gelassen habe. Für die oben erwähnte Produktion nahm ich den am nächsten Tag mal mit und probierte ihn mit den Yongnuos aus – und zwar mit sensationellen Ergebnissen: statt Probleme zu machen, funktionierte diese Kombi derart zuverlässig – auch über große Entfernungen hinweg – dass ich schlicht von den Socken war: was für ein ungehobener Schatz in meinem Geräteschrank! Wir fotografierten den ganzen Tag in dieser Kombi, mit perfekten Ergebnissen, und mein Entschluss stand fest: Die Pockets fliegen raus, und Yongnuo ist der neue Star am Auslöser-Himmel!  🙂

Soweit so gut. Super funktionierte das an der Spiegelreflex. An der Fuji leider nicht, denn hier löste dieser neue Sender überhaupt nicht aus!

OK, ich kürze das mal ab: der Nachfolger dieses Senders löst wiederum aus – man kann ihn in einen anderen Modus schalten, in dem das geht – und ich habe mir gleich zwei von denen bestellt. Aber auch dieser Sender hat die 5-Pin-Belegung der Spiegelreflex. Also muss noch immer das Problem der Kamera-Überhitzung gelöst werden.

Blitzintegration_Fujifilm_X-Pro2_2Hierfür habe ich inzwischen folgende Lösungen ausgeknobelt:

  • Man setzt zwischen Fujifilm X-Pro2 und dem ersten Blitzauslöser einen „Monokontakt“ Würfel, wie zum Beispiel diesen hier. Dann werden die eTTL-Kontakte unterbrochen und nur der Zündimpuls via Mittenkontakt übertragen. Das funktioniert auch, sieht aber sch…. aus, finde ich, und stellt zudem eine zusätzliche mechanische und elektrische Fehlerquelle dar.
  • Man klebt die vier eTTL-Kontakte am Blitzschuh der X-Pro einfach ab. Auch das funktioniert, wirkt aber ein bißchen gebastelt und wird sicher nach drei oder vier Produktionstagen erneuerungsbedürftig sein.

Eine dritte Lösung ist mir erst gestern eingefallen: an einem ruhigen Samstagnachmittag werde ich mal den Yongnuo-Sender auseinandernehmen und versuchen, die vier überflüssigen Kontaktstifte aus dem Blitzfuß zu entfernen. Das wäre die sauberste Lösung, und ich hoffe, dass es mir mechanisch und vom bastlerischen Geschick her gelingen wird. Falls ja (oder nein), werde ich das Ergebnis hier noch nachreichen.

Also ein Fazit: wenn alles im Workflow auf den Hersteller einer bestimmten Spiegelreflex zugeschnitten ist und man ganz selbstverständlich Werkzeuge nutzt, die damit kompatibel sind, kann man ganz schön ins Schleudern geraten, wenn auf einmal eine ganz andere Kameramarke mitmischt. Dann ist Kreativität, Einfallsreichtum und technisches Geschick gefordert – hat aber bisher immer auch zum Erfolg geführt. Seit vorgestern kann ich nun also unser vollständiges Licht mit der X-Pro2 einsetzen (bis auf die für uns nur kleine Einschränkung, dass High-Speed-Synchronisierung mit den Photarex-Blitzen nicht möglich ist), was mich sehr froh stimmt.

Das war die zweite große Hürde! Die gefundenen Lösungen haben mich meinem Ziel, die Fujifilm vollgültig in unsere Arbeitsweise einzugliedern, wieder ein großes Stück näher gebracht.

 

Nachtrag

Dank des tollen Hinweises von „Tim“ – siehe Kommentare unten – gibt es eine einfach und schnelle Umbaumöglichkeit für die Yongnuo 603 II- Funkauslöser. Danke an Michael für die tolle Ausarbeitung. Ich habe mich gleich mal dran gesetzt und die vier Kontaktstifte leicht entfernen können. Ich finde das super, eine saubere, technisch einwandfreie Lösung, die das Problem – ich meine: die Herausforderung – final löst. Danke!

Modifikation_Sender

X-Pro2-Projekt (7): Kardinalfrage Performance

Velden

Warum stelle ich mir eigentlich diese Frage? Warum versuche ich überhaupt herauszufinden, ob die X-Pro2 für die professionelle Industriefotografie taugt? Oder anders gefragt: Warum habe ich meine verschiedenen Fujfilm-Kameras bisher nicht im Beruf eingesetzt?

Velden

Ich hatte die X-100, ich hatte die XE-1 und die XE-2. Alle Kameras fand und finde ich toll. Ich wusste, dass sie eine super Bildqualität abliefern. Ich wusste, dass die Auflösung reicht, ich wusste, dass die Objektive hervorragend sind. Aber bis zur XE-2 (VOR dem 4.0er Firmware-Update!) habe ich den Fujifilms nicht die Performance zugetraut, die ich in der täglichen Anwendung bei Auftragsproduktionen brauche.

Und hier geht es vor allem um AF-Speed, um AF-Performance, Zuverlässigkeit, Genauigkeit. Zu oft ist es mir mit der XE-2 passiert, dass ein Gesicht schon wieder verschwunden war, ehe der AF gegriffen hat. Oder dass der AF überhaupt nicht gegriffen hat. Dass er hilflos im Halbdunkel herumgefahren ist, Zeit verloren hat, den Moment verpasst hat.

Und das ist eben nicht nur bei wirklichen Action-Motiven passiert, sondern bei ganz normalen Szenerien: Der Fotograf fotografiert freihand, die Menschen vor der Kamera bewegen sich im normalen Rahmen, das Licht ist vielleicht nicht gut usw.: Dieser Herausforderung war die bisherige AF-Technik bisher nicht gewachsen bzw. hätte zu viel Ausschuss produziert. Euphemistisch betrachtet, könnte man das Fotografieren mit dem relativ langsamen AF meiner bisherigen Fujifilms „entschleunigt“ nennen. Bei unseren Firmenjobs habe ich die Kamera daher nie eingesetzt, außer für Making-of-Bilder oder für Notizfotos bei Location-Beschichtigungen etc.

Wenn man die Spiegelreflex-Premiumboliden gewöhnt ist, ist das eine andere Welt. Hier greift der AF fast immer, verfolgt zuverlässig sich auch schnell bewegende Objekte und liefert nur äußerst selten Fehlfokussierungen ab.

AF-Performance bei der Fujifilm X-Pro2

Ich muss zugeben, dass die Kamera bisher nur einige wenige Male im tatsächlichen Einsatz war. Das liegt vor allem daran, dass es mir erst an diesem Wochenende gelungen ist, sie vollständig in unsere verschiedenen Blitzsysteme zu integrieren (dazu kommt auch noch eine Story!).

Aber ich habe sie viel in der Hand gehabt, ausprobiert, Making-ofs gemacht und auch ein oder zwei „echte“ Motive damit fotografiert. wir waren in dunklen Kellern, in großen Fabrikhallen, in Forschungseinrichtungen und im Technikum einer Stiftung.

Mein erstes Urteil: es ist soweit! Ja, ich würde und werde mich mit dieser Kamera produktiv einbringen und ihr wichtige Jobs und unwiederholbare Momente anvertrauen. Der AF greift sauber und schnell und sehr zuverlässig. Es gibt praktisch keine Fehlfokussierungen mehr, und wenn sich die „Subjekte“ vor der Kamera oder der Fotograf bewegen, kann man jederzeit wieder den Fokus finden und fixieren. Das funktioniert nicht nur in gut ausgeleuchteten Räumlichkeiten, sondern auch im Schatten, im Inneren von Anlagenteilen oder unter anderen ungünstigen Umständen.

Bisher habe ich nur den normalen AF-Modus erprobt und den kontinuierlichen AF ignoriert. Was der zu bieten hat und wie weit man damit im Vergleich zu einer großen Spiegelreflex kommen kann, werde ich in einem der nächsten Beiträge beleuchten.

Aber bis hierher gilt: die Kamera ist kein Spielzeug mehr. Sie taugt für das ernsthafte Arbeiten, der AF fährt nicht mehr hilflos durch die Gegend, er trifft schnell und sicher – auch in den Randbereichen des Sucherausschnittes. Also auch da, wo nicht die volle Performance zur Verfügung steht. Die Gesamtperformance ergibt sich zum einen aus den Fähigkeiten der Kamera, zum anderen aber auch aus den sehr schnellen und begeisternd leisen Motoren der beiden Zooms, die ich ja ebenfalls neu im Einsatz habe (16-55 und 10-24mm).

Ich finde das toll! Damit ist für mich die größte Hürde genommen – und darüber hinaus bietet die Kamera ja in Sachen AF bei einigen Parametern sogar mehr als meine Spiegelreflex: sie fokussiert auch ganz am Bildrand – ich kann gar nicht oft genug betonen, wie cool ich das finde und wie oft ich mich bei meinen bisherigen Boliden geärgert habe, dass dort, wo ich eigentlich scharf stellen will, kein Fokuspunkt sitzt.

Also in einem Wort: Ich bin froh und begeistert. Das Projekt kann weiter gehen!

 

Was Fotografen über die X-Pro2 denken: Martin Hülle

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Wie Ihr merkt, bin ich gerade ausgiebig mit meinem neuen Baby beschäftigt – es ist wirklich eine „freudvolle Erkundung“ (wie ein Leser aus dem dforum schrieb), und es macht einfach Spaß ausgetretene Pfade zu verlassen, neue Wege zu suchen, über unerwartete Schwierigkeiten zu stolpern und nach und nach Lösungen, Anwendungen und Mehrwert zu finden.

Reviews über die X-Pro2 gibt es viele, aber ich will hier nur solche aufführen, die wirklich aus der fotografischen Praxis herausgeschrieben sind. Keine Testberichte – sondern Erfahrungsberichte.

Martin Hülle: DIE FUJIFILM X-PRO2 – Erste Eindrücke

Färöer Rundreise 2013Martin Hülle ist Fotograf und Autor aus Wuppertal. Seit 20 Jahren ist Martin in den abgeschiedenen Regionen des hohen Nordens unterwegs– in Skandinavien, Island, Schottland und Grönland.

Er durchstreift Berglandschaften und Gletscherwelten im Sommer wie im Winter. Auf seinen Reisen begleiten ihn seit einigen Jahren ausschließlich die Kameras der Fujifilm X-Serie.

Mit der X-Pro2 sammelte Martin seit dem Vorserienstatus Erfahrungen. Kurz nach dem offiziellen Erscheinen der Kamera hat Martin seinen Erfahrungsbericht zur Fujifilm X-Pro2 veröffentlich. Die Kamera geht noch in diesem Monat mit ihm auf Reisen und wird ihn auf einer Tour durch Norwegen begleiten.

Martin Hülle hat vor kurzem seinen ersten Bildband („Mein Norden“) veröffentlicht. Sehr viele seiner Bilder werden mit den verschiedenen X-Kameras fotografiert sein, die er im Laufe der Zeit eingesetzt hat. Mehr dazu HIER!

 

Weitere Informationsquellen

Fujifilm_X-Pro-SonderheftFujifilm-Online-Magazin

Das Magazin erscheint in unregelmäßigen Abständen – auch verfügbar als iPad-Applikation – und ist natürlich ein Fan-Magazin. Was aber gar nicht schlimm ist, schaffen es die Macher doch, überwiegend interessanten Content auf unterhaltsame Weise zu präsentieren und damit Freude und Inspiration am Fotografieren mit Fujifilm zu vermitteln. Ich freue mich immer, wenn eine neue Ausgabe erschienen ist, dann lege ich mich mit dem iPad gemütlich aufs Sofa und schmökere durch die interaktiven Seiten des gut gemachten e-Magazins: Unterhaltsam, inspirierend, intelligent gemacht.

 

X-Pro2-Projekt (6): Potenzial in Sachen WiFi

Fujifilm_Remote

Kurzes, schnelles Statement von der Produktionsfront: ich setze die X-Pro2 gerne ein. Sie macht ihren Job echt gut. Mehr dazu in Kürze. Aber ich lege Wert darauf, dass ich die entstehenden Fotos sofort nach dem Belichten auf meinem iPad sehen kann. Leider ist das mit dem Build-in-Wifi der X-Pro2 nicht möglich. Wie mir die Techniker von Fujifilm bestätigt haben: die Kamera kann leider mit der integrierten Technik derzeit keine JPG-Dateien fortlaufend an ein Empfangsgerät ausliefern – während des Fotografierens, meine ich.

Das ist wirklich schade und bedauerlich und bietet echtes Potenzial für Firmware-Updates oder weitere technische Entwicklungen. Ich halte diese Funktion in der professionellen Fotografie für unabdingbar. Daher wäre ich bei der Pro2 gezwungen, wieder auf WiFi-Karten von Transcent o.ä. zurückzugreifen – ein echter Rückschritt gegenüber dem WFT-Modul meines Spiegelreflexherstellers.

Hm. Hmm. Hmmmm. Also wirklich: das ist SCHADE.

Und ich appelliere an die Produktentwickler von Fujifilm, hier nachzurüsten. Das wäre schon ein sehr starkes Argument für die Kamera!

X-Pro2-Projekt (5): Was die X-Pro2 alles viel besser kann!

X-Pro2-Alles-super

Hey, mich hat die Schreiblust so richtig gepackt. Ich hatte ja von Anfang an gesagt: das hier wird kein nüchterner „Test“ – sondern ein höchst subjektiver Erfahrungsbericht. Und weil das so ist, gibt es jetzt mal eine Portion hemmungsloses Lob. Denn die Fujifilm X-Kameras begeistern mich seit ihrem Markteintritt, und die Pro2 begeistert mich schon jetzt ganz besonders.

Bisher habe ich die Kamera benutzt: zum Herumspielen und Ausprobieren, als Making-of-Kamera, als Second Camera auf mehreren Events und auch als Hauptkamera bei einer Produktion aus dem Bereich der Industriefotografie. Es ist, wie eine neue Welt entdecken – echt aufregend. Ich fühle mich um 10 Jahre zurückversetzt, als ich in die digitale Spiegelreflexfotografie eintauchte und auch erstmal alles neu entdecken durfte. Schön, wenn alles so neu und frisch ist!

Dieser Artikel ist KEINE abschließende Beurteilung der unbestreitbaren Vorzüge dieser Kamera bzw. dieses Kamerasystems. Es ist eine allererste Zwischenbilanz – bestimmt folgen noch viel mehr Beobachtungen dieser Art. Und irgendwann auch eine resümierende Zusammenfassung.

Also, was kann die Fujifilm X-Pro2 alles viel besser als meine Spiegelreflex-Ausrüstung?
Let’s go:

  • Fokusfelder über das gesamte Bild!
    Was mich an der digitalen Spiegelreflexkameratechnik immer genervt hat, ist mit der Pro2 nun Geschichte: Endlich, endlich kann man wieder problemlos praktisch an jedem Punkt des Bildfeldes scharfstellen. Die Fokuspunkte bei DSLRs sind bis heute auf den inneren Bereich konzentriert – vor allem rechts und links davon bleibt noch jede Menge Platz. Die Folge ist, dass man viele Bilder gestalterisch suboptimal belichtet – bzw. hinterher am Rechner Ausschnitte bilden muss, wenn zum Beispiel die Schärfeebene besonders weit am Rand gesetzt werden soll. Mit der X-Pro2 (und natürlich auch den anderen X-Kameras) geht das jetzt wieder ganz einfach – auch wenn zugegebenermaßen die besonders leistungsfähigen Fokuspunkte im Zentrum sitzen. Trotzdem ein Riesenfortschritt!
  • Extrem leise bzw. LAUTLOS auslösen!
    Dank feiner Mechanik bzw. fortschrittlicher Elektronik löst die XPro2 äußerst dezent bzw. – mit elektronischem Verlschluss – absolut lautlos aus. Kann meine sündteure Spitzen-Spiegelreflex auch nicht! Da kracht der Spiegel nach wie vor lauthals hoch und wieder runter, nichts für dezente Situationen. Die Fujifilm ist damit perfekt für Events, Theater- und Bühnenfotografie oder ganz allgemein für Situationen geeignet, in denen der Fotograf nicht unangenehm auffallen sollte. Vergangene Woche habe ich ein feierliches Dinner fotografiert. Während der Eröffnungsrede habe ich die Kamera ganz dicht zwischen bzw. leicht hinter zwei Menschen positioniert und so eine interessante Perspektive über den langen Tisch gewonnen, eingerahmt von zwei Köpfen links und rechts. Wenn ich das Bild mit der DSLR gemacht hätte, wären die Beiden bestimmt vor Schreck quer über die Tafel gesprungen. So ging es ganz einfach und niemand hat es bemerkt.
  • Flexibilität dank kleiner Bauform
    Im Vergleich zur Spiegelreflex ist die Fuji ein Zwerg – oder wie es ein Blogleser nannte: eine „Bonsai-Kamera“. Das hat unbestreitbare Vorteile in der Industriefotografie, wenn man die Kamera irgendwo in der Technik positioniert und per Fernsteuerung ein Bild aus Perspektiven machen will, die sonst nicht möglich wären. Je kleiner die Kamera, desto mehr Möglichkeiten hat man, sie irgendwo reinzuschmuggeln. Auch der Gewichtsvorteil kommt hier klar zum Tragen. Ich sehe hier völlig neue Möglichkeiten für aufregende Perspektiven und ungewohnte Wahrnehmungen! Und das bringt mich zu….
  • Fernsteuerbarkeit dank eingebauter WIFI-Technik
    Die „entfesselte Kamera“ lässt sich wunderbar einfach via iPad auslösen. Keine teures Extra-Gerät, alles drin und alles dran. Einfache Steuerung der Kamera via nativer App – auch sehr angenehm. Gefällt mir! Geil!
  • 24 Megapixel
    Die „Kleine“ übertrifft meine „Große“ auch bei manchen Leistungsdaten. Statt 18 habe ich jetzt 24 Megapixel. Nein, ich bin kein Pixelzähler. Nein, mehr ist nicht gleich besser. Nein, darauf kommt es doch überhaupt nicht an…. Hm. Aber 6 MP sind 6 MP mehr. Kann auch mal helfen. Und dank komprimierter RAW-Dateien fallen nur ca. 10 bis 15 Prozent größere Dateien an. Also, wie gesagt, kriegsentscheidend ist das nicht, aber was man hat, hat man….. Zumal es sich um „gute“ Pixel handelt: scharf, voll bedient von den Objektiven usw.

…to be continued!

X-Pro2-Projekt (4): Überraschung beim Blitzen

Funksender-small

Ehe ich meine Story von heute erzähle, eine kleine Vorbemerkung: je länger ich mit dem Projekt und der Kamera befasst bin, desto deutlicher wird mir klar, wie sehr man in Routinen, Gewohnheiten und in selbstverständlich erscheinenden Annahmen gefangen ist, wenn man seit 10 Jahren mit den DLSRs eines Herstellers fotografiert und nun neue Wege beschreiten will. Die nachfolgende Geschichte ist eine gute Illustration dafür:

Am Mittwoch sollte es endlich soweit sein: ich wollte mein erstes Bild mit der Fujifilm X-Pro2 in einer kommerziellen Fotoproduktion machen! Also richtig Ernstfall, mit allen Konsequenzen! Den Rahmen bildete eine zweitägige Werbeproduktion in Frankfurt. An diesen Tagen entstanden die Bilder für eine Kampagne mit vier verschiedenen Plakatmotiven. Auf jedem Plakat geht es um Hauptmotiv sowie um ein eingeklinktes Nebenmotiv, das die Geschichte „rund“ macht. Dieses Nebenmotiv war eine lockere, lifestylige Szene und ich dachte mir, wenn ich das Motiv mit der DSLR im Kasten habe, wechsele ich einfach noch mal die Kamera und schieße eine Extra-Serie mit der Fujifilm X-Pro2.

Soweit mein Plan. Das Licht in dem Raum war bereits aufgebaut und ausgetestet, desgleichen die Kameraeinstellungen. In dem Fall hatten wir das Licht mit drei Systemblitzen gebaut, die per Pocket Wizard ausgelöst werden sollten. Dabei kamen insgesamt fünf Pocket Wizard-Geräte vom Typ FlexTT5 zum Einsatz.

Wichtig zu wissen: wir nutzen dabei kein eTTL, sondern wir nehmen die Pockets als simple Auslöser, die per Funk synchron die Blitze zünden. Die Blitze waren in dem Fall auch nicht von unserem Kamerahersteller, sondern von Yongnuo. Diese Blitze schätzen wir sehr, sie sind wunderbar einfach in der Bedienung, zuverlässig und sehr preiswert. Also, um das Festzuhalten: wir benutzen die kleinen Systemblitze wie eine manuell eingerichtete Blitzanlage. Nix TTL, nix Automatik.

OK soweit. Als das Motiv an die Reihe kam, setzte ich es zuerst mit der Spiegelreflex um. Die beiden Darsteller waren locker und gut drauf, und das Foto war nach wenigen Minuten gemacht und vom Kunden abgenickt. Dann griff ich zur vorbereiteten X-Pro 2, die ich ein paar Minuten früher eingeschaltet hatte. Ich aktivierte die Kamera und wollte einfach losfotografieren. Jedoch: es ging nicht! Die Kamera zog nicht durch, zeigte dafür aber eine Fehlermeldung. Und die besagte, dass das gute Stück überhitzt sei und erstmal abkühlen müsse.

Bähm! OK, also, so hatte ich mir das nicht vorgestellt. Das kann doch nicht sein! Wie kann eine Kamera überhitzt sein, bloß weil ich sie ein paar Minuten vorher eingeschaltet hatte? Das gibts doch nicht!

Aufregung und Entwarnung

Also brach ich das Experiment ab und legte die Kamera beiseite. Ehrlich gesagt, ich war erstmal ziemlich enttäuscht. Jetzt wollte ich endlich zuschlagen, und dann so etwas. Ich schaltete die Kamera ab und schaute später nochmal nach: immer noch die gleiche Fehlermeldung. Ich entfernte den Blitzauslöser und legte sie auf die kühle Terrasse des Besprechungsraums, in dem unsere Fotoproduktion stattfand. Eine Viertelstunde später probierte ich noch einmal, und jetzt war alles in Ordnung.

Das ließ mir keine Ruhe, und ich schrieb noch am gleichen Abend der Fujifilm-Technik und schilderte meine Erfahrungen. Die Antwort kam sehr zügig am nächsten Vormittag und stellte eine konkrete und treffende Frage: „Verwendeten Sie einen Funkauslöser mit herstellerspezifischen TTL-Kontakten?“ Dieser könne im Zusammenhang mit dem Fujifilm-eigenen Blitzbelichtungssystem zu Problemen führen.

Jo. Natürlich. Das war es! So einfach und doch so unvorhergesehen. Verrückterweise hatte der Sender bei einigen Testbelichtungen zuvor einwandfrei funktioniert. Daher hatte ich mir überhaupt keine weiteren Gedanken gemacht. Dann lag die Kamera eingeschaltet bereit – und die Kontakte vom Pocket haben die Elektronik der Fujifilm offenbar geärgert. Ob das wirklich zu einer Temperaturerhöhung geführt hat oder ob die Fehlermeldung nicht ganz spezifisch war, weiß ich nicht. Aber ich weiß jetzt, dass man zum Arbeiten mit der Blitzanlage tunlichst Sender mit einfachem Mittenkontakt (passenderweise ja „X-Kontakt“ genannt!) verwenden sollte. Oder ein Adapterstück dazwischen setzen sollte, die nur das einfache Sync-Signal durchreicht. Haben wir ja auch alles und ist überhaupt kein Problem, wenn man weiß, was Sache ist.

Mein Fazit aus dieser Geschichte: nichts ist selbstverständlich. Wenn man sich auf ein neues System einlässt, eröffnet sich ein erstaunlich weites Feld an Detailherausforderungen, Workflowanpassungen und -Ergänzungen. Vieles, was zuvor selbstverständlich war, muss neu überdacht und angepasst oder erweitert werden. Dafür werden aber auch neue Möglichkeiten entstehen. Ich finde diese Reise wirklich spannend! Sie erschüttert meine Alltagsroutine und setzt mich neuen Herausforderungen aus. So etwas soll ja jung halten… Dass ein TTL-spezifisches Gerät auf einer anderen Marke für Probleme sorgen kann, ist durchaus nachvollziehbar. Dass es natürlich keinen Fujifilm-spezifischen Pocket Wizard gibt, ist ebenfalls eine Tatsache, berührt mich aber nicht weiter, denn ich brauche so ein Produkt nicht. Aber es spiegelt natürlich bestimmte Gegebenheiten im Markt wider.

Also, was ist denn nun mit dem ersten professionell fotografierten Bild? Das sollte nicht lange auf sich warten lassen und wurde bereits am Tag darauf mit vollem Erfolg gemacht. Davon berichte ich in einem der nächsten Beiträge.

 

X-Pro2-Projekt (3): Fernsteuerung

Fujifilm_Remote

Kleine Rückblende: bereits gestern habe ich einen langen Abend auf dem Sofa verbracht, mit Wein und Musik und natürlich mit der brandneuen Fujifilm X-Pro2 neben mir und in meiner Hand. Es war schon ganz schön spät nachts, alles schlief, aber ich wollte gerne ausprobieren, wie sich die Fujifilm fernsteuern lässt.

Eine ferngesteuerte Kamera ist wirklich etwas ganz Feines – man kann sie an ganz ungewöhnliche Stellen positionieren, wo man als Fotograf nie hinkommen würde. Und man kann Bilder schießen aus Perspektiven, die außergewöhnlich ungewöhnlich sind…. In der Vergangenheit ist uns das immer mal wieder gelungen – zum Beispiel bei diesem Foto:

Da lag die Kamera im Kochtopf… Und war per Kabel an einen Laptop angebunden. Das geht heute auch kabellos zum iPad – aber die Anbindung ist kompliziert und etwas mühsam. So mühsam, dass ich mich bisher nicht darum gekümmert habe.

Gut, das gleiche will ich nun auch mit der X-Pro2 probieren.

Zurück auf meinem Sofa. Es ist spät. Eigentlich bin ich auch schon müde. Aber das will ich jetzt noch ausprobieren. Camera Remote von Fujifilm ist geladen. Die Kamera liegt neben mir. Ich starte die Verbindung. Ich verbinde mich auf dem iPad mit der Kamera. Ich starte die Fernsteuerung.

Ich sehe das Bild der Kamera. Ich kann sie steuern, einstellen und auslösen. Bild ist gemacht. Fertig.

Ich bin perplex. So einfach? So einfach!

Wenn ich etwas vorwegnehmen darf: die X-Pro hat sich für die Zukunft schon mal einen Platz in meinem Koffer gesichert. Und sei es nur für genau diese Bilder. Da hilft es auch, dass die Kamera gegenüber meiner Spiegelreflex grazil und klein ist. Die kann man an wirklich unzulänglichen Orten positionieren und außergewöhnliche Bilder fotografieren.

Ja. Das finde ich richtig gut.

Daumen hoch!

X-Pro2-Projekt (2): Integration in vorhandene Workflows

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Vor das Fotografieren haben die Götter den Transport gesetzt!

Ja, wirklich! 🙂 Ich weiß nicht, wieviele Tonnen Material ich bei unseren Jobs schon durch die Gegend gewuchtet habe – immens viele, schätze ich. Oder anders ausgedrückt: das Zeug muss in den Koffer!

Da ich mein Fujifilm X-Pro2 Projekt abgefedert und mit doppeltem Boden beginnen will, heißt das: in meinen Fotokoffer müssen zwei komplette Kamerasysteme. Und den Koffer empfand ich in der letzten Zeit schon durchaus gut gefüllt und vor allem als schwer. So ungefähr 25 kg, denke ich mal. So, und da müssen jetzt noch rein: eine Fujifilm-Kamera, zwei große Zooms und vier Festbrennweiten.

Zum Glück erweist sich das Problem kleiner als gedacht, was nicht zuletzt den moderaten Abmessungen der Kamera und der Objektive geschuldet ist. Ich habe das Material ganz gut unterbringen können, wobei ich sogar meiner Philosophie treu geblieben bin, dass alle Kameras immer mit einem einsatzbereiten und angesetzten Objektiv im Koffer liegen müssen. Es ist mir schon mehr als einmal passiert, dass ich vor Ort mit der Notwendigkeit konfrontiert wurde, sofort und GANZ SCHNELL zu fotografieren. Da hilft es, wenn eine Kamera fertig im Koffer liegt und nur noch eingeschaltet werden muss.

Also:

  • Fakt 1: alles ist untergebracht.
  • Fakt 2: meine bisherige Spiegelreflex-Backup-Kamera ist rausgeflogen. (Die brauchte ich nie. Und so viel Vertrauen habe ich.)
  • Fakt 3: stattdessen habe ich dabei: Fujifilm X-Pro2, 10-24mm/4.0, 16-55/2.8, 14mm/2.8, 35mm/1.4, 56mm/1.2, 27mm/2.8

Morgen früh gehe ich also mit Spiegelreflex und Fujifilm X auf die Reise. Ich unterstütze morgen meine Kollegin und Geschäftspartnerin Silvia Steinbach bei einem eigenen Shooting. Wird die Fujifilm zum Einsatz kommen? Ja! Und zwar gleich zweimal: von mir (als Making-of-Kamera) und von unserem Praktikanten (ebenfalls als Making-of-Kamera; aber der muss mit der XE-2 vorliebnehmen…. 🙂 ).

Interessant ist auch der Größenvergleich zwischen der Spiegelreflex (unten, Mitte; mit angesetztem 24-70/2.8) und der Fujifilm (oben links; mit Objektivpendant/2.8).

Ich freue mich auf morgen!

Viele Grüße
Christian

P.S.: Wer genau hinschaut, sieht, dass auf dem Foto noch die Trennteile zwischen den Objektiven fehlen…. Mea culpa. War voreilig mit dem Foto, werde aber nachrüsten. Versprochen!

X-Pro2-Projekt (1): Die Fujifilm X-Pro2 in der Industriefotografie

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Gestern habe ich ein interessantes Projekt gestartet, und ich bin sehr gespannt, wohin es mich führen wird und zu welchen Ergebnissen ich kommen werde:

In den nächsten Wochen und Monaten werde ich das Experiment unternehmen, mit der Fujifilm X-Pro2 und den dazugehörigen Linsen die Alltagstauglichkeit und die besonderen Qualitäten des X-Systems in der professionellen Industrie- und Corporate-Fotografie zu erforschen.

Als Berufsfotograf bin ich in der Industrie und in Technologiezusammenhängen unterwegs – wir fotografieren und inszenieren die Welt der Arbeit im Auftrag von Unternehmen, Agenturen und Organisationen.

Bisher taten wir das mit digitaler Spiegelreflextechnik. Natürlich. Wie man das so macht. Kein Grund, etwas zu ändern, oder?

An dem Tag, an dem ich das Vorserienmodell der X-Pro2 bei einem Händler in Köln in den Händen gehalten habe, ist bei mir spontan der Gedanke aufgeblitzt: das fühlt sich ja richtig erwachsen an! Und die Frage kam auf: Ist die X-Serie jetzt reif für den mitunter rauhen Alltag in der professionellen Fotografie, so wie ich sie betreibe?

Und bietet die spiegellose Systemkamera vielleicht Vorteile, die man sich als Berufsfotograf zunutze machen sollte?

Lange Rede, kurzer Sinn: ich will mich auf dieses Experiment einlassen.

Allerdings nicht mit einem abrupten Systemwechsel, sondern fließend. Ich werde mich langsam reintasten, erstmal mit Netz und doppeltem Boden. Was dabei herauskommen wird, ist derzeit völlig offen.

Damit Ihr einschätzen könnt, wie ich und unser Team arbeiten und was unsere Bildergebnisse verlangen, erlaube ich mir mal, auf unsere Website zu verlinken: http://www.ahrens-steinbach-projekte.de

Ich werde im Laufe des Prozesses sicherlich an Grenzen stoßen, aber ziemlich sicher auch auf besondere Qualitäten, wie sie nur die Fujifilms zu bieten haben.

Ein Wort zu meiner Motiviation: Warum unternehme ich so ein Abenteuer? Der Hauptgrund ist: Neugierde. Und der Wunsch, die Zukunft zu erforschen. Ich bin der festen Überzeugung, dass die spiegellosen Systemkameras (oder was aus Ihnen in der Zukunft einmal werden wird) die Zukunft der professionellen Fotografie sein werden. Wir stehen vor einem Paradigmenwechsel. So wie einst die Mess-Sucherkameras durch Spiegelreflexkameras ersetzt wurden oder wie manueller Fokus von den Autofokus-Boliden verdrängt wurde – so etwas ähnliches steht auch der professionellen Spiegelreflex-Fotografie demnächst bevor.

Da will ich ganz vorne dabei sein, mitmischen – und, wenn möglich, auch Einfluss nehmen.

Ich habe mich für Fujifilm entschieden, weil ich die Produkte dieses Herstellers seit Geburt der X-Serie (Anno 2010) sehr schätzen gelernt habe. Bisher waren die Fujifilm X-100, XE-1 und XE-2 nur für mein privates Fotografieren gedacht. Seit Erscheinen der X-Pro2 fühle ich mich herausgefordert, diese Technik auch in der professionellen Fotografie einzusetzen.

Fujifilm ist über mein Projekt informiert und unterstützt es mit Rat und Tat. Mir liegt vor allem daran, dem Hersteller jede Menge Feedback zu geben, die in zukünftige Entwicklungen, wie z.B. Firmware-Updates oder neue Produkte einfließen können. Ich bin ein Fan dieser Produkte, ich gebe das ganz offen zu. Aber ich werde auch kein Blatt vor den Mund nehmen, wenn ich Verbesserungspotenzial erkenne.

Ich habe heute die Fujifilm X-Pro2 erhalten und natürlich gleich ausprobiert. Das Ding ist großartig. Die Kamera macht Spaß. Sie ist schnell und cool. Ist sie reif für den Einsatz bei großen kommerziellen Produktionen? Ich will das herausfinden.

Auf dem Weg dahin werde ich viele Lösungen finden und noch mehr Fragen begegnen. Gerne können wir das auch auf dieser Plattform diskutieren. Auf Euren Input und Eure Erfahrungen bin ich ebenfalls sehr gespannt!

Ich freue mich auf eine spannende Reise, über die ich an dieser Stelle gerne immer mal wieder berichten werde.

Viele Grüße und viel Freude beim Fotografieren
Christian Ahrens